Weil Schreiben eben nicht „nur ein Hobby“ ist

Wenn man erzählt, dass man schreibt, bekommt man von unterschiedlichen Leuten unterschiedliche Reaktionen. Manche Menschen belächeln einen regelrecht, weil sie es als lachhaft und pubertär empfinden, andere haben durchaus lobende und anerkennende Worte… eines haben aber alle gemeinsam: Es ist „nur ein Hobby“, geradezu niedlich. Wenn Sportler jeden Tag mehrere Stunden trainieren oder Musiker sich für ihr Instrument aufopfern, gilt das als Passion und wird von der Gesellschaft anerkannt und beachtet – selbst wenn diejenigen nicht kommerziell erfolgreich sind. Hast du als Autor kein Buch veröffentlich (wenn es vielleicht nicht einmal dein langfristiges Ziel ist), bist aber trotzdem mit Leib und Seele dabei, ist das lächerlich.

Einzig andere (Hobby-)Autoren kennen es, wenn man sich voll und ganz verliert in seiner Geschichte, mehrere Stunden am Rechner oder Notizbuch sitzt und schreibt, nicht gestört werden will. Und wenn man Nicht-Schreibern versucht zu erklären, dass man sich konzentrieren muss, wenn man schreibt und es nicht leiden kann, wenn einem alle fünf Minuten jemand in die Gedankengänge reinquatscht und dies und jenes von einem will, gilt man als unsozial. Man soll sich „doch nicht so haben“, es ist immerhin „nicht wichtig“ oder eben „nur ein Hobby“…

Aber Schreiben ist für mich eben nicht nur ein Hobby. Und ich denke, ich weiß, dass es vielen genauso geht. Schreiben kann so viel mehr sein als ein netter Zeitvertreib. Es ist Therapie, Glück und Leidenschaft. Die Figuren, die man erschafft, können Freunde werden, vielleicht sogar Familie und dabei ist es unwichtig, ob man sie mag oder nicht. Jede Geschichte ist ein Teil von einem selbst, geliebt oder nicht, jede einzelne ist wichtig.

Ich persönlich komme ohne das Schreiben nicht mehr klar. Ich fühle mich unwohl, werde unruhig, wenn ich meine Gedanken nicht irgendwo zu Papier bringen kann. Natürlich bringt das Real Life solche Durststrecken mit sich und für eine Weile kann ich diese „Entzugserscheinungen“ tolerieren, aber ich könnte niemals mehr ganz mit dem Schreiben aufhören. Auch wenn ich vermutlich niemals etwas bei einem Verlag werden veröffentlichen können, weil mir dazu vermutlich dann doch das nötige Talent fehlt.  Ganz ähnlich wie bei einem Sportler, Musiker oder Anderem ist es eine Passion, die mich antreibt, mir neue Ideen gibt und mich auch das eine oder andere Mal über mich hinaus wachsen lässt.

Am Schreiben ist nichts Niedliches. Es treibt an, bremst aus, bringt einen in höchste Höhen oder stürzt einen in tiefste Verzweiflung. All das ist Schreiben. Zumindest für mich.

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Urlaub mit Kind und Kegel

Jaja, so ist das mit dem Urlaub, man fiebert ewig darauf hin und wenn er dann kommt, geht alles ganz schnell.

Eine Woche waren wir nun in Kolberg (Polen) zum Ostsee-Urlaub. Baden war leider nicht mehr so richtig drin, dafür war das Wasser leider schon zu kalt, aber was wäre ein 4-Sterne-Spa-Hotel ohne Innenpool? Einfach herrlich, wenn nur nicht die vielen deutschen Touristen gewesen wären, die alle im Schnitt gut 50 Jahre älter waren als ich. Was wir nämlich beim Buchen nicht bedacht hatten: Kolberg ist ein Kurort, der sich bei deutschen Rentnern unglaublicher Beliebtheit erfreut. Während ich normalerweise beim Urlaub im Ausland darauf eingestimmt bin, Englisch zu sprechen, war dies hier nicht nötig… oder gar möglich. In jedem kleinen Konsum sprachen die Verkäufer Deutsch… Das war für uns recht ungewohnt.

Was mir jedoch am meisten sauer aufstieß, war das Verhalten der deutschen Rentner-Touris. Mit unserem Sohn wurden wir regelrecht geschnitten. Beim Frühstück im Hotel beschwerte sich eine Frau am Nebentisch sogar lautstark, dass Familien mit Kindern gefälligst in den kleinen Nebenraum gehörten. Um des lieben Friedens Willen, folgten wir diesem Wunsch in den darauf folgenden Tagen, jedoch nicht ohne uns gehörig darüber zu ärgern. Ich kann schon nachvollziehen, dass man ab einem bestimmten Alter seine Ruhe haben möchte im Urlaub, aber das ging dann doch gehörig zu weit, zumal unser Sohn nicht laut kreischend durch den Raum rannte und alles angefasst oder runtergeschmissen hatte. Ein Kind bringt nunmal einen gewissen Geräuschpegel mit sich. Allerdings konnten wir auch selten länger als eine halbe Stunde sitzen bleiben, da sich der Knirps ansonsten zu Tode gelangweilt hätte. Es hielt sich also alles in einem für jeden Menschen erträglichen Rahmen.

Interessant war allerdings, dass uns dieses kinderfeindliche Klima nur durch unsere Landleute entgegenschlug, begegneten wir Polen, freuten diese sich über unseren Sohn und nicht nur einmal wurden wir (natürlich im Scherz) gefragt, ob wir ihn nicht verkaufen würden. Insgesamt muss ich sagen, dass Polen ein wirklich kinderfreundliches Land ist. An jeder Ecke gibt es schöne Spielplätze, die weder kaputt noch mit Graffitis beschmiert sind. Es liegen keine zerbrochenen Bierflaschen, Zigarettenkippen oder Hundehinterlassenschaften herum. Und mehr noch: Man sieht immer Kinder spielen. Und zwar nicht nur kleine Kinder. Während in Deutschland die Zehn- bis Zwölfjährigen mit Smartphones, überschminkt und gestyled, an Bushaltestellen oder auf Parkbänken sitzen, spielen die Kinder in dem Alter dort noch… wie Kinder! Ein für uns tatsächlich ungewohnter Anblick. Im Restaurant gab es immer Kinderstühle, Malbücher und ähnliche Beschäftigungen, man wurde auch nicht böse angeguckt, wenn der Kleine mal nicht manierlich und still gegessen hat, sondern sich wie ein Zweijähriger benahm und auch mal gequengelt, gekreischt oder laut gelacht hat. Auch wenn man das Kind etwas energischer, anstatt immer nur mit Engelszungen, zur Raison gerufen hat, wurde das nicht mit Missbilligung, sondern als gegeben betrachtet. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, einmal nicht zu denken, dass, egal was man tut, alles als falsch erachtet wird. Wie entspannend!!!

Dieser Urlaub in Polen hat mir tatsächlich ein Stück weit die Augen geöffnet. Deutschland versucht immer so zu tun, als wäre es kinderfreundlich, will finanzielle Anreize schaffen, damit die Menschen mehr Kinder bekommen. Wenn in unserem Land Kinder jedoch weiterhin grundsätzlich als störend erachtet werden, wenn es weiterhin nicht akzeptiert wird, dass Kinder eben keine kleinen Erwachsenen sind, wird das nichts. Das Denken in dieser überalterten Gesellschaft muss sich erst grundlegend ändern, bevor sich Eltern und Kinder nicht überall fehl am Platze fühlen.