Erinnerungen

Ich hatte keine wirklich schlimmer Kindheit. Meine Familie war an sich nicht schlecht, auch wenn das Verhältnis zu meinen Eltern durch zwei Begebenheiten sehr gelitten hat  und ich in der Grundschule ziemlich übel gemobbt wurde. Aber eigentlich kann ich mich nicht beklagen. Ich habe allerdings nicht viele Erinnerungen an meine Kindheit. Das hat vermutlich schon seinen Grund, denn jedes Mal, wenn doch eine Erinnerung hochkommt, wirft diese mich komplett aus der Bahn – und sei sie auch noch so klein und unbedeutend.

Diese Woche war es mal wieder so weit.

Eigentlich wollte ich produktiv sein, meinen Praktikumsbericht fertigstellen, die Uniunterlagen, die wir in der ersten Woche bekommen hatten vernünftig abheften und meine Vorschriftensammlung auf den neuesten Stand bringen. Stattdessen erwischte mich eine heftige Erkältung und… eine Erinnerung.

Schon als Kind hatte ich immer Probleme mit dem Einschlafen. Ich hatte oft Angst – nicht vor der Dunkelheit oder vor Albträumen – ich kann nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, was mich geängstigt hat. Ich denke, es könnte das Gefühl der Einsamkeit gewesen sein, das mich auch in meiner Zeit als Jugendliche oft gelähmt hat und es auch heute noch tut. Als Kind also baute ich mir nachts, wenn ich alleine war, auf meinem Bett, aus meiner Bettdecke jede Nacht eine Höhle. Ich stellte mir oft vor, ich wäre ein Tier – meist eine Katze – die Schutz suchen musste, die fror und hungrig war. Und ich kuschelte mich dann in meine gebaute Höhle und stellte mir vor, das jemand bei mir wäre, der mich aufnahm, mich wärmte und mir Halt gab.

Diese Erinnerung an mich als kleines Mädchen, das nachts wach lag und nur schlafen konnte, wenn sie in ihrer sicheren Höhle lag und sich vorstellte, dass jemand sie beschützte, hat mich in dieser Woche aus der Bahn geworfen. Ich frage mich, wieso ich das getan habe, weil ich keinen konkreten zeitlichen Kontext zu dieser Erinnerung habe… Aber ich denke, ich ahne, in welche Zeitspanne es fiel. Es war schwer damals. Es war nicht lange, aber sehr einprägend und ich habe es nie ganz verarbeitet.

Jetzt bin ich 22 und Mutter und fange an zu weinen, wenn ich an mich als Kind denke…

Ziemlich unangenehm, wenn man doch eigentlich stark sein muss.

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