Planen und Pläne verwerfen

Der September neigt sich dem Ende. Die Tage werden kürzer, die Luft kühler und man igelt sich abends schonmal gerne mit einem heißen Tee unter eine Kuscheldecke.

Aber Herbst bedeutet auch, dass die Zeit des NaNos näher rückt. Nachdem ich 2011 einmal grandios bei der Teilnahme gescheitert bin und nicht einmal 10.000 Wörter geschafft hatte und auch das jahr darauf nicht wesentlich erfolgreicher lief, habe ich dieses Event erst einmal zu den Akten gelegt.

Dieses Jahr habe ich darüber nachgedacht, wieder einmal teilzunehmen. Ich habe geplant und geplottet und mir ausgemalt, dass ich auf meinen langen Zugfahrten genug Zeit hätte, das tägliche Wortpensum zu erreichen.

Bis… ja, bis … das neue Semester begonnen hatte. Sämtliche NaNo-Träume waren wieder einmal dahin. Meine Zugfahrten werden nicht zum Schreiben von Geschichten, sondern zum Vor- und Nachbereiten und Protokolle führen. Gleich drei Seminare fahren dieses Jahr mit heftigen Anforderungen auf. Eine etwa 30-seitige Abhandlung eines Projekt, eine 15-seitige Abhandlung zu einem Managementthema und drei 30 Minuten-Referate. Zusätzlich zur normalen Seminararbeit.

Es ist zum Heulen. Da denkt man, jetzt zum Ende des Studiums sollte es doch eigentlich ein bisschen entspannter laufen und dann BÄM. Sowas.

Es bleibt die Hoffnung auf das nächste Jahr. Dann bin ich nämlich fertig mit dem Studium und kann meine Zeit selbstständig einteilen. Dann sollte auch das mit dem regelmäßigen Schreiben ein bisschen besser klappen.

Die Erkenntnis, dass das Schreiben eines Romans eine verflucht anstrengende Sache ist

Ein Jahr habe ich gebraucht, das neunte Kapitel meines Romans „Kreideherzen“ fertig zu schreiben. Am Sonntag war es dann soweit. Das Kapitel konnte hochgeladen werden. Ein schönes Gefühl, doch kommt auch der Druck zurück: Wie lange brauche ich für das nächste Kapitel? Werde ich es dieses Mal endlich schneller schaffen? Immerhin sind die groben Plotholes, die ich entdeckt hatte, ausgemerzt und die Geschichte so ziemlich in jedem Detail bis zum Ende durchgeplant.

Aber was, wenn wieder eine Schreibblockade kommt? Wenn der Stress in der Uni mich wieder so auffrisst, dass ich für nichts anderes Zeit habe? Das Semester hat gerade erst angefangen und schon jetzt habe ich das Gefühl, dass es verdammt hart wird. Trotz zwei freier Tage, die aber für Nacharbeit und Projektarbeiten draufgehen werden. Und meine Belegarbeit muss ich auch noch schreiben …

Eines ist mir in den fast 6 Jahren, die ich mittlerweile an Kreideherzen arbeite, mehr als klar geworden: Ein Roman ist kein Zuckerschlecken. Und durch meinen impulsiven Anfang und die unzureichende Planung zu Beginn des Projektes, wurde es mit voranschreitendem Plot zunehmend schwerer, einem klaren roten Faden zu folgen. Meine Geschichte entwickelt sich eh sehr langsam und hat genug Nebenhandlungen, dass ich keine Filler mehr einbauen muss. Ich meine… Ich bin bei 9 Kapiteln und habe fast 80.000 Wörter. Das ist schon ein ganz schönes Stück.

Ich könnte natürlich die Kapitel kürzer machen. Liest sich ja auch leichter. Und sie angestrebten monatlichen Updates wären auch nicht mehr das große Problem.

Aber das kommt für mich nicht in Frage. Ich habe eine Chronologie. Auch stilistisch. Nach jedem Kapitel kommt ein Perspektivenwechsel und die Handlungen sind klar geplant. Das kann und will ich nicht aufbrechen.

Hinzu kommt, dass ich mehr und mehr das Gefühl kriege, dass die Leser von Kreideherzen anderes erwarten. Schon soooo viel Text und die hatten immer noch keinen Sex. Nichtmal einen Kuss. Gar nichts! So ein Dreck. Ja, das liegt daran, dass ich Fan von Realismus bin. Sorry. Für mich muss gerade eine Story mit einem so delikaten Thema wie eine Lehrer/Schüler-Beziehung zumindest halbwegs Hand und Fuß haben. Dass das nicht jeder so sieht, weiß ich. Und das meiste Feedback bekommen auch jene fluffigen Kitsch-Geschichten die vor Drama und Romantik nur so triefen. Aber da habe ich schlicht und ergreifend einen anderen Anspruch an mich.

Es ist eine dumme Lage, in die ich mich da gebracht habe. Aber auch, wenn es mich Leser kostet… Ich bleibe bei meinem jetzigen Stil. Ich schreibe langsam – auf zwei Arten. Einmal tatsächlich und einmal erzählerisch. Aber so ist das nunmal. Wem es nicht gefällt, darf mich gerne kritisieren, da bin ich immer offen für. Und ansonsten muss man meine Geschichte ja nicht lesen.

Zugfahrten mit Johnny Cash

Natürlich sitzt Johnny Cash nicht wirklich neben mir. Das wäre ja auch irgendwie verrückt. Aber seine Stimme fährt mit. Diese tiefe, dunkle Melancholie, die sie in sich trägt und den ersten Uni-Tag ein bisschen erträglicher macht.

Eigentlich könnte ich sinnvolleres machen. „The Fault in our Stars“ von John Green liegt in meiner Tasche und will endlich gelesen werden. Ich könnte auch mein Netbook rausholen und schreiben. Immerhin hab ich fast 3 Stunden Zeit. Aber ob es nun an den Kopfschmerzen der nagenden Erkältung liegt oder an der allgemeinen Lethargie, die mich an Tagen wie heute erfüllt … Ich sitze einfach nur hier, lausche „Daddy sang Bass“ und beobachte, wie vor dem dreckigen Zugfenster die Landschaft vorbeifliegt und die Sonne immer höher steigt.

Ich sollte das eh noch ein bisschen genießen. Nicht mehr lang und ich fahre morgens im Dunkeln los und fahre abends im Dunkeln heim. Es wird kälter, trüber, nasser.

Ich hoffe auf einen goldenen Oktober, um den Winter zu überstehen. Es bleibt abzuwarten. Heute scheint die Sonne, aber wer weiß? Morgen könnte es schon wieder regnen.
Johnny singt für mich „Hurt“. Ein Vorbote dessen, was demnächst auf mich zukommt? Es scheint alles möglich.