Schnurrbärte und Sonnenuntergänge

Ich war heute spazieren, um die Oktoberluft zu genießen und mein Kind auf den Spielplatz zu bringen und auszupowern. Nach zwei Stunden Kindergeschrei und viel Sand in den Schuhen, ging allmählich die Sonne unter und es wurde herbstlich kühl um uns herum. Am See entlang konnte man den Himmel beim Entflammen zusehen und wir liefen auf unserem Rückweg über nasses Laub, das sich wie ein Teppich ausgebreitet hatte. Alles normal für meine herbstliche Heimatstadt.
Fast zu Hause dann sah ich jedoch mal etwas anderes: Einen Pfeiler mit einem Schnurrbart. Ich frage mich, wer ihn dort angeklebt hat und wieso. Vielleicht um jemanden aufzuheitern? War es eine Wette oder ein Spaß?
Ich werde es wohl nie erfahren. Aber eins ist klar: Der Pfeiler sieht cooler aus als alle anderen.
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Lokführerstreik, leere Akkus und verliebte 50erinnen

Die Lokführer streiken und ich wusste den halben Tag nicht, wie ich nach Hause komme.
In der Uni hatte ich keine Steckdose in Reichweite, sodass mein Netbook komplett leer ist. Er ist ja schon etwas älter und daher nicht mehr so langlebig, der Gute.
Hätte ich mir sicher sein können, dass der eine Zug tatsächlich so fährt, wie in der DB-App angekündigt, hätte ich zu McDoof gehen und den Akku laden können. Das Risiko, etwas wichtiges zu verpassen, war mir allerdings zu groß.

Und jetzt sitze ich hier im Zug (der tatsächlich pünktlich fährt und so wie angesagt) und ärgere mich. Ich hätte so viel Zeit zum Schreiben gehabt, wäre der Akku geladen gewesen.
Und weil der Tag nicht schon beschissen genug war, hat mir das Schicksal auch noch die wohl nervigste Mitfahrerin überhaupt zur Seite gestellt: Eine Bekannte von mir. Ü50, mit einem IQ von maximal 90 und einem neuen Liebhaber in ihrem Leben, von dem ich nun jede Kleinigkeit erfahre… Und ich meine: JEDE Kleinigkeit. *schauder*

Ich weiß nicht, was ich getan habe, dass das Karma mir so eins reinwürgt… Aber ich sollte mich wahrscheinlich einfach glücklich schätzen, dass überhaupt ein Zug fährt, von daher…

Von Prokrastination und Kreativitätskillern

Oh Mann. Die Uni ist wirklich der Kreativitätskiller schlechthin. Zumindest bei mir. Ich bin jetzt im fünften Semester und endlich ist ein Ende in Aussicht, aber zeitgleich steigt auch der Erfolgsdruck. Das hemmt die Muse und die alltägliche Arbeit frisst eine Menge Zeit.
Ich habe mir angewöhnt, zumindest an Kreideherzen während meiner langen Zugfahrten zu schreiben (immerhin fahre ich insgesamt 5 bis 6 Stunden an mindestens 3 Tagen die Woche). Im vollen Regionalexpress zu schreiben ist allerdings anstrengend und man kann sich wenig konzentrieren. Aber ich denke mir: Ein bisschen Schreiben ist besser als gar nicht schreiben. Von daher versuche ich es weiterhin so. Auch wenn ich genau weiß, dass es nicht reicht, dass es auf Dauer unbefriedigend ist.

Zumal ich es auch nicht immer schaffe, mich zum Schreiben aufzuraffen. Wenn man halb sechs morgens aufsteht und erst um acht Uhr abends wieder zu Hause ist, dann fehlt zwischendrin neben der Uni manchmal einfach die Kraft, um noch kreativ zu sein. Außerdem habe ich für die Uni in letzter Zeit so viel nachzuarbeiten, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich das für das Schreiben aufschiebe. Mein Praktikumsbericht zum Beispiel ist erst gestern gegen 23 Uhr fertig geworden. Abgabe ist Montag und ich brauche noch eine inhaltliche Überprüfung und Bestätigung meiner Ausbildungsstätte. Ein bisschen spät, aber Prokrastination war schon immer eine meiner größten Schwächen. Leider macht die Gesamtheit der Praktikumsberichte locker 20% meiner Bachelor-Note aus. Dafür nehme ich das vermutlich ein bisschen zu sehr auf die leichte Schulter.

Aber das ist sowieso so ein Ding. Ich schaffe es nur selten wirklich wichtige Sachen auch wirklich ernst zu nehmen. Vor allem, wenn mein Kopf vollkommen mit dem Wunsch zu Schreiben gefüllt ist. Das ist durchaus ein Problem, an dem ich arbeite. Die einzige effektive Möglichkeit ist dabei, mir ein Schreibverbot aufzuerlegen. In Prüfungsphasen verschließe ich meine kreative Gehirnhälfte und versuche nur meine rationale Seite zu nutzen. Das klingt verrückt? Kann sein, bei mir klappt es ganz gut. Das Problem an der Sache ist nur, dass es mir oft hinterher schwer fällt, die Muse wieder wach zu rütteln. Je länger ich studiere und mein Hirn mit Rechtsfragen und Rechnungswesen bombardiert wird und je weniger Zeit ich zum Schreiben finde, desto mehr merke ich, wie meine rationale Seite die kreative verdrängt.

Ein gesundes Mittelmaß ist aktuell leider nicht zu finden, dafür ist mein Leben zu unstet. Im September 2015 jedoch – also nicht einmal mehr ein Jahr – ist das zum Glück vorbei und ich kann endlich selbstständig mein Leben planen und kann meine Kreativzeiten um meine festen Arbeitszeiten herum planen. Da freue ich mich schon drauf, denn es heißt auch, dass ich weniger Stress, weniger Müdigkeit und mehr wirkliche Freizeit habe.

Größenwahn

Die Frankfurter Buchmesse ist im Gange und ich bin wie immer nicht dabei. Nicht als Besucher und als Autor schon gleich gar nicht. Es frustriert mich manchmal schon ein bisschen, dass ich solche Dinge nicht einfach nutzen kann. Einfach von meinem Kleinstadtkaff losfahren in die Welt, um die wichtigen Kontakte zu knüpfen, die in der Verlagswelt so wichtig erscheinen.
Ich bemühe mich, etwas zu erreichen, aber offensichtlich reicht das noch nicht aus. Es belastet mich, noch immer keinen einzigen Erfolg vorweisen zu können. Keine Publikation, kein Beitrag für eine Anthologie, kein noch so unbedeutender Wettbewerb.

Aber ich gebe nicht auf. Wenn mein Praktikumsbericht für die Uni endlich fertig ist, überarbeite ich meinen Beitrag für den brandenburgischen Literaturwettbewerb und hoffe, dass es dieses Mal vielleicht etwas wird.

Bis dahin träume ich vom großen Durchbruch, schwelge im illusorischen Größenwahn und versuche es immer weiter und weiter. Und irgendwann verwirkliche ich meinen Traum. Dann fahre ich zu einer Buchmesse, um dort mein eigenes Werk vorzustellen. Irgendwann.

Macht Schreiben einsam?

Wenn ich mit Leuten über das Schreiben spreche, die keine Berührung damit haben, wird mir immer wieder eine Frage gestellt:
„Das ist aber schon ein ziemlich einsames Hobby, oder?“
Aus meiner Sicht sind in dieser Frage zwei Fehler enthalten:

1) Schreiben ist mehr als ein Hobby.
2) Schreiben macht nicht einsam.

In Zeiten, in denen es mir psychisch schlecht geht, fliehe ich nahezu in meine Geschichten. Sie gaben mir schon immer ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit. Man könnte es möglicherweise als Realitätsflucht bezeichnen und das stimmt wahrscheinlich auch. Aber es erfüllt mich mit einer Art Glücksgefühl, wenn ich eine neue Welt erschaffe, meine Charaktere kennen lerne.

Von Einsamkeit kann hier nicht die Rede sein. Nur weil das Schreiben etwas ist, das man alleine tut. Aber wie soll man einen real existierenden Menschen neben sich ertragen, wenn im Kopf die Charaktere die ganze Aufmerksamkeit auffressen?

Ich fühle mich wohl, wenn ich in aller Stille an meinem Computer sitze, in meine Gedankenwelt verschwinde und mich ganz der Fantasie hingeben kann. Es ist ein erfüllendes Gefühl.

Schreiben macht mich glücklich. Da wird niemals eine Spur von Einsamkeit sein, es sei denn ich werde irgendwann aufhören zu schreiben. Und dann wird kein Mensch der Welt diese Art der Einsamkeit verschwinden lassen können.