Think!

Ich bin ein politischer Mensch. Jeder, der mich kennt oder mir zumindest bei Twitter folgt, kann das vermutlich bestätigen. Ich bin auch ein künstlerischer Mensch, der versucht, seine Gedanken und Gefühle oft in Texte oder Gedichte einzuflechten. Einfach, weil ich denke, dass Kunst wichtig ist und Menschen auf einer anderen Ebene erreicht, als rationale Sachtexte. Was ich nicht bin, ist ein besonders musikalischer Mensch. Ich kann gerade gut genug singen, dass es meinen Sohn beim Einschlafen erfreut. Ich kann kein Instrument spielen und mein musikalisches Gehör lässt zu wünschen übrig, trotz 7 Jahren im Chor und 3 Jahren Gesangsunterricht.

Trotzdem war da vor ein paar Tagen dieser Text in meinem Kopf. Zusammen mit einer Melodie. Weder die Worte noch die Töne waren außergewöhnlich, doch ich habe sie dennoch weiter verfolgt. Mein a-capella Gejaule erspare ich euch lieber. Die Melodie ist auch eher fade und öde, ich bin halt kein Musiker. 🙂 Aber den Text, auch wenn nicht die Offenbarung des Jahres, möchte ich dennoch mit euch teilen:

Mund aufmachen

Sie kommen in Scharen,
strömen auf die Straßen.
Hass ist ihr Begleiter
Menschlichkeit ist ihnen fremd.

Woher kommt all diese Wut?
All die Angst, die sie verzehrt?
Haben sie denn keinen Anstand,
gar kein Mitleid und kein Herz?

Wo ist der Eine,
der sich gegen sie stellt?

Refrain:

Und wo warst du,

als die Welt anfing zu brennen?

Nicht weit weg sondern direkt vor deiner Tür?

Wo warst du,

als sie begannen

wieder im Gleichschritt zu marschieren?

Wo warst du?

Hass verdrängt Verstand.
Worte prallen ab.
Sie wollen nichts hören,
wollen nicht verstehen.

Sie beschimpfen dich als Gutmensch
als links-versifftes Pack,
denn in deinen Gedanken
ist für mehr als Angst nur Platz.

Wo ist der Eine,
der das Schweigen bricht?

– Refrain –

Und sie sind ja keine Nazis
nicht Rassisten und nicht rechts.
Sie sind doch nur besorgte Bürger
und die Retter unserer Welt.

Was glaubt ihr, wie lang es dauert,
bis der erste Mensch verbrennt
und der Mob, den ihr belächelt,
mit Fackeln durch dies Land marschiert?

Wo sind die Menschen,
die schon wachgerüttelt sind?

Refrain II:

Und wo wart ihr,

als die Welt anfing zu brennen?

Nicht weit weg sondern direkt vor eurer Tür?

Wo wart ihr,

als sie begannen 

wieder im Gleichschritt zu marschieren?

Wo wart ihr?


Überall, nur nicht hier …



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Gaming-Mom

Es ist noch nicht so lange her, dass ich mich mit einer Kollegin über unsere Kinder unterhalten habe. Ihr Sohn war gerade zehn geworden, meiner war zu diesem Zeitpunkt drei. In jeder Minute dieses Gespräches ließ sie mich spüren, dass sie die erfahrenere Mutter war. Immerhin bin ich gerade einmal 24, währenddessen sie mit ihren 36 die Weisheit ja mit Löffeln gefressen hatte.

Und wie wir uns so unterhielten, über Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke und was für Kinder in welchem Alter als adäquat angesehen werden kann, erzählte sie mir, was ihr Sohn sich zum Geburtstag (seinem zehnten wohlgemerkt) gewünscht hatte. Ein Computerspiel, genauer eine Rennsimulation. Gut, das ist für einen Zehnjährigen garantiert nichts Ungewöhnliches. Interessant war jedoch, welches Spiel der gute Junge sich genau gewünscht hat – nämlich nicht irgendeine Rennsimulation. Sondern GTA V.

Da stand also eine überaus qualifizierte Hochleistungs-Übermutter vor mir, die auf mich hinabgesehen hatte, als hätte ich noch gar nicht das Recht erworben, mich selbst überhaupt als Mutter bezeichnen zu dürfen, die ihrem kleinen süßen Engelsjungen mal eben GTA V zum zehnten Geburtstag gekauft hat. Ein bisschen verwundert fragte ich sie natürlich, ob sie wüsste, was GTA überhaupt ist.

„Na eine Rennsimulation mit Autos.“, sprach sie und sah mich an, als könnte sie nicht fassen, wie unglaublich dämlich ich bin. Für gewöhnlich bin ich zu anderen Müttern ziemlich nett, denn genauso wenig wie ich möchte, dass man mir in meine Erziehung reinpfuscht, würde ich das bei anderen auch nicht tun. Hier konnte ich jedoch nicht anders, als mich herzhaft zu amüsieren und sie darauf hinzuweisen, dass GTA bestimmt AUCH eine Rennsimulation ist. Allerdings hätte ich mich an ihrer Stelle doch schon gewundert, wieso auf der Verpackung eine dicke, fette rote 18 gedruckt ist.

Naja, sie dachte wohl, dass das was mit der Grafik zu tun gehabt hätte und wirkte dann plötzlich leicht verunsichert, denn immerhin kennt man ja die fette rote 18 von pösen Filmchen, die das Engelchen natürlich nicht sehen darf (es heimlich mit Sicherheit aber schon getan hat, darauf würde ich einen Teil meines Arsches verwetten). Dann habe ich sie erst einmal ein bisschen darüber aufgeklärt, was GTA eigentlich für ein Spiel ist. Vollkommen schockiert war sie dann natürlich der Meinung, dass man das doch als Mutter nicht wissen könne und dass ihr Sohn das mit Sicherheit auch nicht gewusst hatte.

Ich habe wirklich selten so gelacht, denn mit zehn wusste der Junge bestimmt genau, was GTA für eine Art Spiel ist und hat die Unwissenheit seiner Mutter dahingehend einfach mal schamlos ausgenutzt.

Dem Jungen mache ich da überhaupt keinen Vorwurf, genau sowas machen Kinder nämlich. Verbotenes erhaschen, indem sie ihre Eltern mal ein bisschen an der Nase herumführen. Was bei einer Frau, die Computerspiele (und auch Zeichentrickfilme) generell für Kinderkram hält oder eben für Dinge für diese traurigen Gestalten, die kein reales Leben führen und nie erwachsen geworden sind, natürlich sehr gut funktionierte. Ein wenig verwundert war meine Kollegin dann auch, als ich ihr sagte, dass ich mit Sicherheit kein routinierter oder gar professioneller Gamer bin, aber das für mich Teil meines Hobbys ist. Ich bin weder ein komischer bleicher „IT-Freak“ noch ein Kind, das hat ihr Weltbild ziemlich erschüttert.

Was mich jedoch erschüttert hat, war die Tatsache, dass sich diese Frau, die eine solche Übermutter sein möchte, bei solchen Dingen wie der Freizeitgestaltung ihres Kindes so fahrlässig verhält. Es ist nicht die Tatsache, dass sie keine Videospiele mag, aber bevor ich meinem Kind ein Spiel kaufe, gucke ich mir doch wenigstens an, was das ist. Oder nicht? Aber vielleicht liegt das Problem eher darin, dass sie solche Hobbys nicht ernst nimmt?

Dieses Phänomen trifft man tatsächlich bei vielen Menschen, auch in meinem Alter, komischerweise. Komisch finde ich es deshalb, weil wir alle mehr oder weniger mit Computern und somit ja auch irgendwie mit Videospielen groß geworden sind. Wir, die wir nach 1980 geboren sind auf jeden Fall. Himmel, selbst meine Mutter spielt ab und an Spiele am Computer – und zwar nicht nur Solitär. Und sogar mein Vater lässt sich mal für eine Runde Age of Empires oder War of Rome oder etwas in der Art begeistern. Und die beiden sind als DDR-Bürger, geboren in der ersten Hälfte der 60er, nicht rundum medial aufgewachsen.

Sicherlich hat es auch viel mit der Interessenlage zu tun und manch einer konnte mit diesen digitalen Dingen nie wirklich warm werden. Andererseits spielen die meisten zumindest gelegentlich zum Zeitvertreib auf ihren Smartphones Candy Crush oder Angry Birds.

Der Glaube, dass Videospiele dumm oder aggressiv machen, scheint sich nichtsdestotrotz hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen (meiner Beobachtung nach meist Frauen) zu halten. Die künstlerische Seite der Videospiele wird nicht einmal wahrgenommen, wenn man sie ihnen zeigt. Mehr als ein „Ja, ganz hübsch“ und ein Achselzucken ist dann halt auch nicht drin. Die angeblichen Aggressionen, die Egoshooter aufbauen sollen, werden als Tatsache angesehen, denn wer „Spaß am Töten hat, kann ja nicht normal sein“. Wenn ich erzähle, dass ich ebenfalls gelegentlich Egoshooter spiele, dann bin ich die Ausnahme von der Regel. Und es wird mir generell nicht geglaubt, wenn ich sage, dass Shooter bei mir eher Aggressionen ab- als aufbauen. Im Gegensatz zu solchen Spielen wie Candy Crush… als regelmäßiger Bahnfahrer reiße ich mich da auch ab und an zu hin, aber wenn ich dann Geld dafür ausgeben soll, um ein paar mehr Süßigkeiten zu sprengen – DAS macht mich aggressiv.

Ich für meinen Teil bin froh, dass ich mich vor solchen Dingen nicht verschließe, auch wenn mein Sohn mich vielleicht verfluchen wird, wenn er Teenager ist. Mir kann er leider nicht vormachen, dass GTA eine bloße Rennsimulation ist. Und auch wenn ich selbst keine Comics lese, weiß ich, dass sehr viele für Kinderaugen nicht bestimmt sind. Andererseits habe auch ich meine Eltern als Jugendliche in dieser Hinsicht ausgetrickst und mir Mangas gekauft, die nicht jugendfrei waren (z.B. Golden Boy – Lol! :D). Vermutlich werde ich das ein oder andere Mal ein Auge zudrücken, wenn er aus Neugierde bestimmte Dinge kauft, die er vor mir versteckt. Oder auch, wenn er versucht mich reinzulegen. Dafür ist die Jugend halt auch da, man muss auch mal was Unerlaubtes tun. Solange ich einigermaßen weiß, was er macht und vor allem, wo er ist, kann ich mit einigen Sachen schon leben. Bestimmte Games wird er trotzdem nicht zocken dürfen, ehe er mich nicht davon überzeugen kann, dass er dafür die nötige geistige Reife besitzt. Aber noch stehen solche Sachen eh nicht zur Debatte – erst einmal muss der Junge lernen, wie man sich die Schnürsenkel bindet, dann wird sich der Rest mit der Zeit zeigen.

Ach ja, was den GTA-Jungen betrifft: Seine Mutter hat ihm das Spiel noch am selben Abend weggenommen und weggeschlossen. Er war wohl nicht sonderlich begeistert und meinte, dass er das bei einem seiner Kumpels schon oft gespielt hätte und soooo schlimm sei es gar nicht. Seine Mutter hat dann natürlich die Mutter des Kumpels angerufen und viele andere und wie es schien, war dieses Spiel in mehrere Haushalte unbemerkt gewandert – und schließlich verbannt worden. Der Junge meiner Kollegin tat mir echt leid, der hat bestimmt in der Schule Klassenkeile bezogen. Schuldig fühle ich mich trotzdem nicht wirklich, denn ich finde, dass solche Spiele nichts in den Fingern von Grundschülern zu suchen haben.

Ich weiß ja zumindest, wovon ich spreche – so als Gaming Mom. ^^

Einen fruchtig-smoothen Guten Morgen!

Was für ein bescheuerter Titel. 

Und so ein plumper Hinweis auf das Thema dieses Beitrags. Aber gut, ich finde mich ja auch gerade erst wieder ein in meinem kleinen Blog.

Außerdem könnt ihr gerade wirklich keine geistigen Höhenflüge von mir erwarten. Es ist immerhin erst sechs Uhr morgens, ich stehe an der siffigen Haltestelle und warte auf den Bus, der mich zur Arbeit bringt. Ich träume vom Wochenende und davon mal wieder etwas mehr Zeit für mich zu haben – das wäre tatsächlich mal wieder schön.

Bis dahin versuche ich mir den tristen Alltag angenehmer zu gestalten und weiterhin ein bisschen auf meine Ernährung zu achten. Viel Obst, Gemüse und Wasser. Der gute Vorsatz wird heute wieder versucht mittels eines leckeren kleinen Smoothies to go einzuhalten. 🙂 

 

Für den heutigen weißen Smoothie habe ich 1/2 Banane, 1/4 Honigmelone und 1 Birne (geschält und entkernt) mit einem halben Becher Joghurt, etwas Wasser und einem Spritzer Limonensaftkonzentrat püriert. Ich kann mir vorstellen, dass das Ganze mit ein bisschen Crushed Ice auch für einen heißen Nachmittag eine prima Erfrischung ist. Der süß-saure Geschmack ist für sich schon sehr lecker.
Ich lasse mich jetzt ne Stunde vom Bus durchrütteln und wünsche euch allen einen wundervollen Tag – das Wochenende ist schon fast zum Greifen nah! 😀
~ ELW

Einen fruchtig-smoothen Guten Morgen!

Was für ein bescheuerter Titel. 

Und so ein plumper Hinweis auf das Thema dieses Beitrags. Aber gut, ich finde mich ja auch gerade erst wieder ein in meinem kleinen Blog.

Außerdem könnt ihr gerade wirklich keine geistigen Höhenflüge von mir erwarten. Es ist immerhin erst sechs Uhr morgens, ich stehe an der siffigen Haltestelle und warte auf den Bus, der mich zur Arbeit bringt. Ich träume vom Wochenende und davon mal wieder etwas mehr Zeit für mich zu haben – das wäre tatsächlich mal wieder schön.

Bis dahin versuche ich mir den tristen Alltag angenehmer zu gestalten und weiterhin ein bisschen auf meine Ernährung zu achten. Viel Obst, Gemüse und Wasser. Der gute Vorsatz wird heute wieder versucht mittels eines leckeren kleinen Smoothies to go einzuhalten. 🙂 

 

Für den heutigen weißen Smoothie habe ich 1/2 Banane, 1/4 Honigmelone und 1 Birne (geschält und entkernt) mit einem halben Becher Joghurt, etwas Wasser und einem Spritzer Limonensaftkonzentrat püriert. Ich kann mir vorstellen, dass das Ganze mit ein bisschen Crushed Ice auch für einen heißen Nachmittag eine prima Erfrischung ist. Der süß-saure Geschmack ist für sich schon sehr lecker.
Ich lasse mich jetzt ne Stunde vom Bus durchrütteln und wünsche euch allen einen wundervollen Tag – das Wochenende ist schon fast zum Greifen nah! 😀
~ ELW

Einen fruchtig-smoothen Guten Morgen!

Was für ein bescheuerter Titel. 

Und so ein plumper Hinweis auf das Thema dieses Beitrags. Aber gut, ich finde mich ja auch gerade erst wieder ein in meinem kleinen Blog.

Außerdem könnt ihr gerade wirklich keine geistigen Höhenflüge von mir erwarten. Es ist immerhin erst sechs Uhr morgens, ich stehe an der siffigen Haltestelle und warte auf den Bus, der mich zur Arbeit bringt. Ich träume vom Wochenende und davon mal wieder etwas mehr Zeit für mich zu haben – das wäre tatsächlich mal wieder schön.

Bis dahin versuche ich mir den tristen Alltag angenehmer zu gestalten und weiterhin ein bisschen auf meine Ernährung zu achten. Viel Obst, Gemüse und Wasser. Der gute Vorsatz wird heute wieder versucht mittels eines leckeren kleinen Smoothies to go einzuhalten. 🙂 

 

Für den heutigen weißen Smoothie habe ich 1/2 Banane, 1/4 Honigmelone und 1 Birne (geschält und entkernt) mit einem halben Becher Joghurt, etwas Wasser und einem Spritzer Limonensaftkonzentrat püriert. Ich kann mir vorstellen, dass das Ganze mit ein bisschen Crushed Ice auch für einen heißen Nachmittag eine prima Erfrischung ist. Der süß-saure Geschmack ist für sich schon sehr lecker.
Ich lasse mich jetzt ne Stunde vom Bus durchrütteln und wünsche euch allen einen wundervollen Tag – das Wochenende ist schon fast zum Greifen nah! 😀
~ ELW

Paradies

Wasser
es fließt
klar und rein
über meine Hände

Ich starre
auf die Perlen
die von meiner Haut rinnen
und verschwinden
im dunklen Abfluss

Ich fülle
meine Hände
und trinke
bis mein Magen schmerzt

Der Himmel
grau von Regenwolken
sie werfen Schatten
auf das sattgrüne Land
durchzogen von Seen und Flüssen

Und Menschen
und Pflanzen
und Tiere
sie alle trinken

Und ich starre
auf das Wasser
das fließt
überall
zu jeder Zeit

Und ich denke
ist dies
vielleicht
das Paradies?

~ELW, 05.08.2015

Rezension: Schwester Golden, Bruder aus Stein

Jeden Morgen geht Lotta in den Wald. Es ist wie eine Droge, eine Sucht – und die einzige Möglichkeit den „Ofen“ zu besänftigen, der in ihrer Brust sitzt. Der Ofen, der in ihr sitzt, seit sie denken kann, der stets auflodert und sie beeinflusst. Doch dann stolpert plötzlich Jurij in ihr Leben…

So könnte man den Ausgangspunkt von „Schwester Golden, Bruder aus Stein“ von Alexandra Dichtler beschreiben. Dass ich dieses Buch kaufen und lesen musste, war für mich absolut klar. Eine Rezension zu schreiben, ist hingegen schon schwieriger – zumal ich noch nie in eine solche verfasst habe. Aber wieso nicht mit dem Erstling einer von mir äußerst geschätzten und bewunderten Autorin beginnen? Fangen wir also an:

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 17-Jährige Lotta Katz, die nach dem Tod ihrer Eltern von ihrem Großvater Clemens aufgezogen worden ist. Ein Mann, der liebevoller und geduldiger nicht sein könnte und somit ein wunderbares Gegenstück zu seiner Enkelin darstellt. Denn Lotta hat offensichtlich Probleme. Aufgrund von Konzentrationsstörungen hat sie gerade so den Hauptschulabschluss geschafft und steckt nun in einer Maßnahme für – nun, sagen wir mal – schwer zu vermittelnde Jugendliche. Und wäre die ungewisse Zukunft nicht problematisch genug, ist da noch dieses stechende, lodernde Gefühl in ihrer Brust, eine unbestimmte Wut und Unruhe, welche schon da ist, seit sie denken kann. Um ihren Ofen, wie sie es nennt, zu beruhigen, geht Lotta jeden Morgen in den Wald. Die kühle Luft, die Natur, das beruhigt die Flammen in ihrem Inneren.

Von ihren Mitmenschen weitgehend enttäuscht, sind die einzigen Menschen, denen sie vertraut, ihr Großvater und die Nachbarin Annett. Kontakt zu anderen Jugendlichen hat sie kaum und will es nicht, denn sie ist anders, nicht nur in ihrem Inneren, sondern auch ganz banal optisch. Lotta ist nämlich kleinwüchsig. Wenn auch mit normalen Proportionen, braucht sie auch mit 17 noch einen Kindersitz im Auto. Unter einer harten, sarkastischen Oberfläche kämpft sie mit ihren Erfahrungen und Reaktionen ihrer Mitmenschen. Bemüht gleichgültig, versucht sie, ihr Leben in den Griff zu bekommen, ohne zu viel von sich preiszugeben.

Und dann kommt Jurij. Ein 18-Jähriger, der seine Ausbildung aufgrund zu hoher Fehlzeiten abbrechen musste und in dieselbe Maßnahme geschickt wurde wie Lotta. Und ausgerechnet Lotta ist es, die er fragt, ob sie ihm helfen könnte den Stoff nachzuholen, wenn er fehlt. Wütend darüber, dass er sie augenscheinlich ausnutzen wollte, wenn er blau machte, schwört sie sich, ihn links liegen zu lassen. Doch da ist etwas an Jurij, an seinem Verhalten, dass Lotta spüren lässt, dass nichts immer so ist, wie es scheint.

Denn Jurij ist das Gegenteil von verantwortungslos. Sich selbst vergessend kümmert er sich um seine kleine Schwester und seinen schizophrenen Bruder, während die Mutter täglich viel arbeitet, um ihren Kindern ein halbwegs gutes Leben zu ermöglichen.

Lotta beginnt zu verstehen, dass nicht nur sie missverstanden durch diese Welt geht und beginnt, Jurij zu helfen. Doch immer häufiger passieren seltsame Dinge mit ihr und es ist nicht mehr nur der Wald, der ihren Ofen zu stillen vermag. Die Grenzen zwischen Realität und Wahn scheinen für Lotta immer häufiger zu verschwimmen und durch die Konfrontation mit Jurijs Bruder, lebt sie plötzlich in der Angst, selbst schizophren zu sein. Aber wieso sind dann ihre Träume, ihre Bilder und ihr Leid so real?

In fesselnden Worten beschreibt Alexandra Dichtler eine Geschichte, die wie ein gewöhnliches Jugendbuch beginnt. Teenager an der Schwelle des Erwachsenseins, nicht einzuordnende Gefühle, Probleme mit der Schule, der Umwelt, Erwachsenen … Und obwohl ich selbst kein Freund von Jugendbüchern bin und zu Beginn nicht wusste, worauf die Geschichte hinaus laufen würde, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Dichtler schreibt mal einfach, mal ausschweifend, mal hart und realistisch und dann doch wieder blumig und irreal. Nicht nur das Erzählte bringt einem die Geschichte von Lotta näher, sondern vor allem auch der Schreibstil, der die Grenzen zwischen Wahn und Realität gekonnt verwischen lässt. Aus scheinbar banalen Formulierungen erwachsen plötzlich Hintergründe, die man nie geahnt hätte. Als Leser erfährt man nie zu viel und das Buch entwickelt sich von einer unangenehm realistisch-hoffnungslosen Geschichte einer problematischen Teenagerin zu einem phantastischen Abenteuerroman, der ganz reale Probleme des täglichen Lebens der aufgegebenen darstellt und gleichzeitig über die Realität herauswächst.

Eine kleine Kritik habe ich dennoch zu äußern. Das Ende der Geschichte war mir zu kurz. Im Vergleich zum Aufbau der Vorgeschichte war das Ende gefühlsmäßig in wenigen Worten abgefrühstückt, wenn man so will. Ich will nicht spoilern, aber ich sage mal, dass das Ende für mich inhaltlich perfekt war, nur sprachlich war es für mich einfach nicht rund. Ein Kritikpunkt, den man mit Sicherheit verschmerzen kann, denn es war nicht unbefriedigend, nur hätte ich mir eben etwas mehr gewünscht.

Fazit: Selbst wenn man Jugendbücher für gewöhnlich nicht mag, aber keine Berührungsängste mit phantastischer Literatur als Genre hat, sollte man dieses Buch lesen. Es ist kein typisches Jugendbuch, auch wenn es unter anderem die Probleme von Heranwachsenden thematisiert, bleibt es nicht dabei. Der Schreibstil der Autorin hat mich wieder einmal mehr als überzeugt und ich weiß wieder, wieso ich sie so unglaublich bewundere und nach dem Lesen ihrer Geschichten grundsätzlich in eine kreative Schaffenskrise drifte.

Hier noch mal ein kleine Zusammenfassung im Überblick:

Eckdaten

Titel:           Schwester golden, Bruder aus Stein

Autorin:       Alexandra Dichtler

Verlag:        In Farbe und Bunt Verlags-UG

Seiten:        270

Genre:        Fantasy/Phantastik

Bewertung

Story:         4/5

Sprache:    5/5

Gesamt:     5/5

Erwerben kann man das Buch im Verlagsshop, bei Amazon – ich habe es bei meinem örtlichen Buchhändler bestellt und es am nächsten Tag erhalten.

Liebe Grüße

ELW

(P.S.: Anmerkungen? Kritik? Widersprüche? –> Kommentarfunktion)