Fühlen?

Es lähmt mich. Je älter ich werde, je mehr Verantwortung ich trage, je mehr Menschen auf mich und meine Entscheidungen angewiesen sind, desto mehr lähmt es mich.

Da ist immer diese Angst in mir. Immer präsent, mal lauter, mal leiser.

Im Moment schreit sie mir täglich in die Ohren und zerreißt alle meine inneren Organe.

Es tut so weh.

Manchmal habe ich das Gefühl gar nichts mehr zu spüren, außer dieser blinden Verzweiflung in mir und der Frage: wann hört das endlich auf????

Ich habe so viel, wofür es sich zu leben lohnt, einen liebenden Mann, ein wundervolles Kind, einen Job. Aber da ist immer dieses Ding in mir, dem das alles scheißegal ist. Ich mache meine Arbeit schlecht, kapsele mich von meiner Familie ab. Ich bin mir dessen bewusst, aber ich ändere es nicht. Immer, wenn ich es versuche, schreit meine Angst in mir: STOPP!!!! Und eine fiese ätzende Stimme in meinem Kopf flüstert: „Wenn du nicht funktionierst, bist du nichts wert. Wenn du es zugibst, bist du Abschaum.“

Ich hasse mich dafür, dass ich so denke und fühle, was alles nur noch schlimmer macht. Ich verletze mich selbst, seelisch und körperlich, um mich zu beruhigen, mich daran zu erinnern, dass ich lebe. Aber was ist dieses Leben denn wert, wenn ich immer alle Menschen in meiner Umgebung pausenlos enttäusche.

Andere Menschen stehen so viel Schlimmes durch und kämpfen weiter. Aber ich kann nicht mehr. 

Ich schaffe es nicht heraus.

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25

Die Mittzwanziger scheinen aktuell ein Thema zu sein in den sozialen Netzwerken und den „Jung“Medien. So brachte ze.tt einen Artikel über eine 25-Jährige Amerikanerin, die Gedichte über ihr tägliches Leben schreibt, kurz, prägnant, witzig und persönlich. Etwas zum Identifizieren und um (über sich selbst) einfach mal zu schmunzeln. 

In meiner Lieblings-Online-Zeitung „bento“ erschien gestern ein Artikel von einer 24-Jährigen über das Erwachsensein. Es ging um farblich zur Tischdeko passende Untersetzer, um Kartoffelgratin, Kontoeröffnungen und Fischbrötchen. Also um die Spießigkeit des Lebens, die einzieht, wenn man älter wird.

Der bento-Artikel war eher mäßig, etwas zu blumig und gedankenversunken in Oberflächlichkeiten, zu aufgesetzt philosophisch und dadurch an Altbackenheit kaum zu überbieten. Der Artikel der ze.tt war interessant und beleuchtete das Leben der Künstlerin Samantha Jayne und ihre Kunst. Man ließ die Künstlerin aus ihrer Sicht sprechen, das machte ihre Einstellung und ihre Lebensart weniger aufdringlich.

Ich bin jetzt seit einigen Wochen 25, habe also die magische Grenze zwischen „fast noch Teenager“ zu „Alter, fast 30“ erreicht. Und manchmal hängt man doch mit den Gedanken in der Vergangenheit und reflektiert darüber, was man sich vor 10 Jahren – mitten in der Pubertät – von seinem derzeitigen Ich gewünscht hatte. In der Regel gehen die Teenie-Träume nicht in Erfüllung. 

Ich zB wollte immer hauptberuflich Schreiben und niemals, unter gar keinen Umständen einen 40h/Woche-Job im Büro haben. Ich wollte Journalistin sein, Autorin, kreativ und abenteuerlustig, wunderschön und begehrenswert, gefeiert in den großen Kreisen von Kunst und Kultur.

So habe ich mir meine Zukunft vorgestellt, als ich 15 war. 

Heute sitze ich 40h/Woche in einem kalten Büro, komme durch das tägliche Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsstätte und der Erziehung meines Kindes kaum noch zum Schreiben. Kreativität herrscht in meinem Kopf als wütendes, überschäumendes, gedankenlähmendes Chaos, das nicht raus kann, weil andere Dinge wichtiger sind, als das andere Ich in mir.

Das andere Ich, das keine Pflichten haben will.

Aber Ich, das primäre und dominante, weiß, dass es Verpflichtungen hat, die keinen Aufschub dulden, dass es nicht nach dem gehen kann, was es gerne möchte, sondern nach dem, was es machen muss. Und dann weint und schreit das andere Ich und manchmal höre ich daraus, die enttäuschte 15-Jährige, die sich ihr Leben doch so ganz anders ausgemalt hatte.

Und ich erkläre ihr, dass es sehr gut ist, wie es ist. Dass man für neue Wünsche und Träume die alten manchmal auf Eis legen muss, weil sie eben zu diesem Zeitpunkt nicht in das aktuelle Lebenskonzept passen. Dass ihre zukünftige kleine Familie das Beste ist, was ihr passieren konnte, trotz des Stress‘ und der nicht gelebten Träume. Denn wenn ich ehrlich zu mir bin, dann weiß ich, dass ich diesen Traum nie so gelebt hätte, wie ich ihn mir damals erträumt hatte. Selbst wenn alles andere vielleicht gepasst hätte und ich die Chance auf diesen Erfolg gehabt hätte. Ich bin nicht der Mensch für ein aufregendes Jetset-Leben, für Partys und oberflächliche Kontaktpflege. Ich bin der Mensch, der abends mit seinen Lieben auf der Couch sitzt und einen Film guckt.

Diese bedingte Rationalität kam zu meinem Erwachsenwerden dazu. Die Fähigkeit, meine nach wie vor sehr dominanten Emotionen auch einmal abzuschalten und etwas einfach nüchtern zu betrachten. Es ist eine schöne Fähigkeit, die ich in Zukunft ausbauen möchte. Auch um mein anderes Ich weiter zu zähmen, wieder in geordnete Bahnen zu lenken und mit ihm gemeinsam irgendwann glücklich zu leben.

Ich habe noch viel zu lernen.

Diese Erkenntnis war die wichtigste der letzten 5 Jahre. Ich bin noch jung. Mit 25 ist man noch sehr jung. Man wird in seinem Leben noch viele Fehler machen, man wird noch oft albern und kindisch sein – mit etwas Glück bis an sein Lebensende. Man wird hinfallen und aufstehen, gute und schlechte Tage haben.

Das Erwachsensein hat gerade erst begonnen. Und ich habe die meiste Zeit noch vor mir. Ich werde mich noch unzählige Male verändern, weiterentwickeln, mein Leben aus anderen Perspektiven betrachten.

Wer weiß, wo ich in 10 Jahren bin? Dann bin ich 35.

Ich wünsche mir für die nächsten 10 Jahre nicht viel an Veränderungen. Außer, dass ich mehr Zeit haben möchte. Für die Familie, vielleicht auch zum Schreiben. In 10 Jahren möchte ich wenigstens 2 Bücher beendet haben. Ob das klappt? Wer weiß? In den letzten 10 Jahren hat es das nicht. Aber es hat sich viel verändert.

Ich bin das Kind unter den Erwachsenen. Ich habe in diesem Lebensabschnitt gerade erst das Laufen gelernt und stolpere und brabble noch vor mich hin. Es ist verrückt zu denken, dass man von Anfang an alles richtig macht. Und es sollte auch nicht verlangt werden. 

Erwachsenwerden ist ein Prozess, der sich durch das ganze Leben zieht und nicht plötzlich einsetzt und genauso plötzlich abschließt.

Junger Kultur- und Medienjournalismus

Vielleicht hat es der ein oder andere schon mitbekommen. Spiegel Online hat seit einiger Zeit sowas wie eine „Jugendseite“, auf der junge Nachwuchsjournalisten über ihre Lebenserfahrungen, Gedanken und Beobachtungen schreiben.

Im Endeffekt kommt es einem vor wie ein großer bunter Blog, in dem so viele Themen aus den aktuellen Trends abgegrast werden, wie möglich. 

Das Konzept ist nicht neu, wurde es doch vom Stern schon in den frühen Nuller-Jahren realisiert, lange vor dem Smartphone-Boom und Social Media. Auch der Zeitverlag brachte mit „ze.tt“eine moderne und jugendlichere Form von sich ins Rennen. Seit Oktober ist nun auch Spiegel Online dabei mit ihrer japanischen Lunchbox.

Prinzipiell finde ich das Prinzip gut, dass man neben den „großen Nachrichten“ auch das thematisiert, was vielleicht global unwichtig, aber dennoch für eine jüngere Generation interessant ist. Gerade im Bereich social media sind die 15- bis 30-Jährigen versierter und sicherer als ein alteingesessener Journalist, der zwar sein Handwerk beherrscht, jedoch nicht mehr den Blick für das Jugendliche hat. Ich kann sogar damit leben, dass die Artikel häufig wenig bis gar nichts mit Journalismus zu tun haben.

Eine Sache fällt mir jedoch immer wieder negativ auf, wenn ich Artikel lese, die sich mit der angeblichen und tatsächlichen Lebensrealität junger Menschen zu beschäftigen scheint: die Einseitigkeit.

Natürlich können die Schreiberlinge bei bento, ze.tt und Co. nur von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Heraus kommt jedoch ein avantgardistischer Einheitsbrei einer geisteswissenschaftlichen Elite, deren Weg in den gehobenen Journalismus oder die Kunst- und Kulturszene feststeht. Mitunter gönnerhaft und arrogant erzählen Mittzwanziger, was man im Studium unbedingt erlebt haben muss, von sexuellen Abenteuern, die schon in den 90ern keine Oma mehr die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte oder von der ewigen Debatte wie weit die digitale Welt unser Leben bestimmen sollte. Individualität wird gefordert, gleichzeitig werden „Randgruppen“ milde belächelt. 

Irgendwo zwischen Veganschick und Wurstgate-Lachern stelle zumindest ich immer wieder fest, dass dies nichts mit meiner Lebensrealität zu tun hat. Und ich liege mit meinen 25 Jahren und meinem am Arm quasi festgewachsenen Smartphone, dem viel zu viel frequentierten Twitteraccount und meinem nicht allzu unterirdischen IQ eigentlich voll in der Zielgruppe.

Woran liegt es also? Daran, dass ich einen Vollzeitjob und ein Kind habe? Dass meine Realität zwischen Bahnfahrten, Büroarbeit und Gute-Nacht-Liedern pendelt? Dass ich es nicht schaffe, die Kraft und die Zeit dafür aufzubringen, jedem Selbstverwirklichungstrend nachzueifern, weil ich genug damit zu tun habe, meine Familie, meine Beziehung und mein Berufsleben am Laufen zu halten? Weil ich arbeiten muss, um überhaupt ein Leben zu leben? 

Die zwanghafte Jugendkultur liegt mir nicht. Ich bin jung, ich habe junge Interessen, bin mitunter kindisch und affig. Aber mit 25, abgeschlossenem Studium, befristeten Arbeitsverträgen und Familie kann ich mich beim besten Willen nicht mehr als Jugendliche sehen. Und ich finde es seltsam, wenn Leute, die älter sind als ich, diesen Schein aufrecht erhalten wollen. Den Geist unbändiger 18-Jähriger trifft man so dennoch nicht.

Kurzgeschichten

Ich gebe es zu, so ganz uneigennützig ist dieses Thema nicht. Aber abseits der Tatsache, dass ich selber Hobbyautorin bin und gern Kurzgeschichten schreibe, lese ich sie auch gern von anderen Autoren. Mein liebster Kurzgeschichten-Band, welcher bei mir im Regal steht, ist wohl „Blinde Weide, schlafende Frau“ von Haruki Murakami. Aber nicht nur die Geschichten namhafter Autoren reizen mich. 

Als langjähriger User von fanfiktion.de und generell als Internet-Mensch, lese ich viel, was frei im Netz verfügbar ist. Auf Blogs, Autorenseiten, etc pp. Darunter ist natürlich viel Schund oder auch mittelmäßiges, aber manchmal … Manchmal gibt es Autoren, deren Geschichten so berührend, deren Sprache so intensiv ist, das man nicht aufhören kann, zu lesen. Und in diesen Momenten denke ich mir: Diese Geschichten gehören gedruckt. Nicht einfach nur so, sondern als ein wunderschönes Buch, mit Cover, dem Geruch neuer Seiten. Ich wünsche mir dann, dass diese Geschichten gelesen werden. Von möglichst vielen Menschen überall. Und ich will sie haben. Besitzen. Mir ins Regal stellen, wo sie immer verfügbar sind.

Ich bin kein Freund von ebooks. Es tut mir leid, aber ich bin ein Mensch, der nach wie vor am liebsten Seiten in den Händen hält. Obwohl ich schon eine Art eigenständige symbiotische Lebensform mit meinem Handy darstelle. Ein Buch ist ein Buch und das kann niemand ersetzen. 

Leider ist der deutsche Buchmarkt fest der Meinung, das Kurzgeschichten keinen Markt haben. Es sei denn es sind Kurzgeschichten berühmter Autoren oder gesponsorte Anthologien. Ich finde das nicht nur sehr schade, sondern auch irgendwie unverständlich. In einer Gesellschaft, die immer schneller wird, sollte man meinen, dass es mehr Menschen gibt, die Kurzgeschichtenbände zu schätzen wissen. Gute Literatur komprimiert. In anderen Ländern sind Kurzgeschichtenbände fester Bestandteil des Buchmarktes. 

Auch Zeitschriften, welche diese Sparte bedienen, sind nicht oft anzutreffen. Die Chance auf eine Publikation für unbekannte Autoren gestaltet sich zum Hürdenlauf, dessen Erfolg nicht selten etwas mit Glück anstatt können zu tun hat.

Ich weiß, dass es in manchen Genres, wie im Bereich Sci-Fi und Fantasy, kleine Verlage gibt, die dies anders handhaben. Aber wieso nicht die großen Verlage? Diejenigen, die die Reichweite, die Marketingmöglichkeiten haben, die Kurzgeschichte auch in Deutschland zu etablieren?

Oder gäbe es in Deutschland _tatsächlich_ keinen Markt für Kurzgeschichten? Bin ich die einzige, der es so ergeht? Die einzige, die gerne in kurzen Episoden schöner Worte und Ideen versinkt? Das ist schade, denn Kurzgeschichten sind meiner Meinung nach ein wichtiger Bestandteil der Literatur und manchmal intensiver, vielsagender und runder als ein Roman.