Entspann dich, Mutter

Vor ein paar Tagen stieß mich eine Freundin via Twitter auf diesen Artikel in der „Welt“. Ich wusste nicht, ob ich den Kopf schütteln oder lachen sollte. Ich entschied mich für letzteres. Das ist besser für das Wohlbefinden.

Kurzum geht es in dem Beitrag (ich mag es nicht einmal „Artikel“ nennen, das klingt so journalistisch) darum, dass die 30-Jährige Verfasserin darüber lamentiert, dass sie einen scheinbar abstrakten Kinderwunsch hat – aber nicht Mutter sein will. Mutter sein heißt für sie nämlich die Aufgabe ihres kompletten Lebens, aller ihrer Interessen, ihres Berufes, ihres Sozial- und Liebeslebens und all ihrer Träume, Hoffnungen und Wünsche. Und das alles „nur für ein Lächeln“.

Gleich im ersten Satz vergleicht sie ihren sogenannten Kinderwunsch mit der Angst vor dem Tod. Also wohl endgültig, für immer und definitiv nicht positiv. Ein Kind als Symbol für das Ende ihres Lebens. 

Sie schreibt über die „regretting motherhood“-Bewegung. Über all die klugen, erfolgreichen Frauen, deren Leben vollkommen ruiniert war durch die Geburt ihrer Kinder. Und sie geht offenbar vollkommen selbstverständlich davon aus, dass es ihr ganz genauso gehen wird. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es auch die schönen Momente der Mutterschaft gibt, die erfüllenden, sieht sie ausschließlich das Schlechte.

Überall sind sie. Frauen, die auch gedacht hatten, bei ihnen würde alles anders, aber dann wurde mit dem Kind alles ganz genau so, wie „Mutter“ eben für mich klingt. „Mutter“ ist ein hässliches Wort, hinter dem eine Frau steckt, die über noch viel hässlichere Wörter nachdenken muss, wie Breikost-Einführung oder Ökotest-Tests und natürlich: „Afterbabybody“. Ein Kind ist ein 24-Stunden-Job. Bezahlt wird er mit einem Lächeln. Dem des Kindes wohlgemerkt, die Mutter bekommt Mundwinkelfalten.

Quelle: Friese, Julia; Die Welt, 12.05.2016, online unter: http://www.welt.de/vermischtes/article155283055/Wenn-dann-will-ich-lieber-Vater-sein-als-Mutter.html

Und sie geht sogar noch weiter:

Denn eine Mutter ist gestresst. Mit wenig Atem erteilt sie Befehle, vor allem an den Mann. Tagsüber arbeitet er. Sie beneidet ihn. Sie sagt es nicht laut. Sie sagt, dass sie Mundwinkelfalten, Migräne und einen Afterbabybody hat, also wirklich keine Lust auf Sex, denn du weißt schon, Schatz, da ist dieses Muttersein und die Viertel Halbtagsstelle als „Mami-Bloggerin“.

Quella: aaO

Wir fassen also zusammen:

Mütter sind unglückliche Wesen, die den ganzen Tag zu Hause hocken, schlechtgelaunt den Nachwuchs hüten, aufgrund körperlicher Komplexe keinen Sex haben und neidisch auf den arbeitenden Vater des Balgs sind. Und die einzig akzeptierte Beschäftigung ist die der „Mami-Bloggerin“.

Es ist klar, dass hier übertrieben wird, aber dennoch frage ich mich gerade ernsthaft, ob die Autorin eine Mutter hat (wenn nicht, tut mir das Leid), ob die ein solches Leben geführt hat (dann tut mir die Mutter Leid) und ob es in ihrem Umfeld wirklich nur solch gut betuchte Paare gibt, bei denen es reicht, wenn ein Elternteil allein arbeitet. Und was haben Mütter vor der Erfindung des Blogging gemacht? Wandfarbe beim Trocknen zugesehen?

Und ich stelle fest, dass ich offensichtlich seit fast fünf Jahren Nicht-Mutter bin.

Gut, ja. Einen schönen Körper habe ich nicht mehr. Das liegt aber zugegebenermaßen an mir und meiner Unlust an sportlicher Betätigung. Das sieht bei anderen Müttern ganz anders aus – man muss es nur wollen.

Aber ansonsten? 

Als mein Kind ein Jahr alt war, habe ich wieder angefangen zu studieren. Zugegeben, nicht für meinen Traumjob, aber das hätte ich auch ohne Kind nicht, weil mir die wirtschaftliche Sicherheit dann doch wichtiger war, als der abstrakte Wunsch nach Selbstverwirklichung, die mir dann auch niemand garantiert hätte und an der ich selbst schon zweifelte.

Das Liebesleben ist meines Erachtens Privatsache, aber sagen wir es so: Sex gehört für mich zu einer gesunden Beziehung gleichermaßen wie Kommunikation, gegenseitiger Respekt und Vertrauen. Er ist also essentiell. Klar, gleich nach der Geburt ist Sex nicht drin, selbst nach einem Kaiserschnitt nicht, da Risse (auch innere Mikrorisse) etc pp erst verheilen sollten, um Infektionen zu vermeiden. (Und man hat zugegebenermaßen keinen Bock nach solch einer Strapaze)

Neidisch auf den arbeitenden Vater? Ich habe 3 Jahre duales Studium hinter mir, wobei ich täglich 2-4 Stunden im Zug gesessen habe – nur für eine Tour. Dann Uni, dann nach Hause, dann Kind, Lernen … Pfft. Ich hatte gar keine Zeit neidisch zu sein. Und mittlerweile stehe ich mitten im Vollzeitjob (40h/Woche) und habe demnach auch wichtigeres zu tun, als mich um einen Mami-Blog und Ökotest-Tests zu kümmern.

Und selbst als ich das erste Jahr zu Hause war, habe ich mir darum keine Gedanken gemacht. Ich habe mich in keinem Mami-Forum angemeldet, war nicht in der Öko-Stillgruppe und habe, wenn ich nicht weiter wusste, meine Mutter oder den Kinderarzt um Rat gefragt. Ansonsten habe ich auch einfach nach Bauchgefühl entschieden. Nicht nach Ratgeber. Ich habe nicht gestillt, Brei zugefüttert, als Knirpsi von der Flasche nicht mehr satt wurde und mit Töpfchentraining begonnen, als Kind allein frei sitzen konnte. Und es war mir so herrlich egal, was andere dazu meinten.

Ich habe übrigens auch weiterhin meine Hobbys. Ich schreibe, lese, zocke zwar nicht mehr so viel, aber regelmäßig und habe nicht vor, damit aufzuhören. Im Gegenteil. Je älter mein Kind wird, desto mehr Freiheiten habe auch ich wieder. Denn Kinder bleiben nicht ihr Leben lang 2 Jahre alt (habe ich mir sagen lassen).
Natürlich will ich die negativen Seiten des Mutterseins nicht negieren – die gibt es. Ein Lächeln entschädigt nicht für aufgeplatzte Oberlippen, schlaflose Nächte, Wutanfälle, Nörgeleien usw. Gerade am Anfang hat man kaum Schlaf, ständig Kotzflecke auf dem Pulli und – was wohl das andauerndste und schwierigste ist – man muss mit seinen Unsicherheiten klarkommen. 

Da hat mir meine Oma (RIP) den besten Rat von allen gegeben: „Entspann dich.“

Damit meinte sie natürlich nicht, dass ich mich nicht um mein Kind kümmern sollte. Sie wollte damit sagen: Scher dich nicht um die anderen, die machen auch nicht alles richtig. Sei die beste Mutter, die du sein kannst, ohne dass du ganz aufhörst du selbst zu sein. 

Eine unglückliche Mutter kann kein glückliches Kind großziehen.

Den Ratschlag befolge ich bis heute. Ich liebe mein Kind, bin für es da, wann immer es mich braucht, wische seine Kotze weg (und kotze hinterher nicht selten selbst, weil ich das absolut widerlich finde), tröste es, wenn es traurig ist und stecke mich durch Kuscheleinheiten an, wenn es krank ist. Ich begleite es, schubse es in die (hoffentlich) richtige Richtung und lasse es dann seine eigenen Erfahrungen machen. 

Aber ich nehme mir dafür heraus, Zeit für mich zu reservieren. 

Und es hilft auch ungemein, wenn man dem Vater die Aufgaben nicht befiehlt, sondern ihn auch machen lässt. Kein Vater findet es gut, wenn die Mutter alles überwacht, kommentiert und berichtigt, was er tut. Das nennt sich dann gleichberechtigte Erziehung und Aufgabenteilung. Tut dem Kind übrigens auch gut, wenn der andere Elternteil kein austauschbarer Pappkamerad, sondern gleichberechtigter Ansprechpartner ist. 
Die Autorin des Artikels hat von gleichberechtigter Erziehung allerdings wohl noch nichts gehört und möchte daher die „klassische Vaterrolle“ einnehmen. Den ganzen Tag arbeiten und das Kind nur abends und am Wochenende sehen. Wenn sie dann dafür auch in Kauf nimmt, für immer und ewig Alleinverdienerin zu sein, Sklave eines wohlbezahlten Jobs, der ihr aber vielleicht in einigen Jahren doch nicht mehr so gefällt, sie aber definitiv nicht raus kann, weil ihr Gehalt ja das einzige ist, was die Familie vor der Armut bewahrt … Okay. Auch dieser Druck ist nicht angenehm.

Abgesehen davon, dass das ein äußerst antiquiertes Familienbild ist und man auch berufstätig und Mutter gleichzeitig sein (echt, das geht!), zwingt einen niemand dazu, ein Kind zu bekommen. 

Ja wirklich. 

Die Autorin schreibt zwar, dass sie diesen Kinderwunsch hat, aber eigentlich schreit ihr gesamter Gedankengang: „Hilfe, ich bin 30, alle um mich herum haben Babys. Babys sind niedlich, ich will auch was Niedliches, aber keine Verantwortung übernehmen! Kinder passen nicht in mein Lebenskonzept!“

Dann sollte man halt keine Kinder kriegen. Man kann für die kurzweilige Kinderdosis ohne weitergehende Verantwortung auch eine Freundin fragen, ob man mal einen Nachmittag mit ihrem Balg in den Zoo soll (die Mama dankt es) und sich statt eines Lebewesens, das von einem abhängig ist, lieber eine Topfpflanze anschaffen. 

Niemand ist gezwungen ein Kind in die Welt zu setzen und niemand sagt, dass Muttersein für alle Frauen die absolute Erfüllung sein muss. Wenn man also meint, ein Kind passt nicht ins Leben, dann zwängt da auch kein Kind rein.

Mein Bruder plus Lebensgefährtin sind beide Mitte 30 und haben kein Kind, weil sie keins wollen. Sie möchten lieber zu zweit bleiben. Schlimm? Absolut nicht (außer, dass ich niemals Gelegenheit haben werde, mich für Nerven zerreißende Geschenke an mein Kind zu „revanchieren“).
Aber sich über „regretting motherhood“ Gedanken zu machen, obwohl man kein Kind hat … Ungelegte Eier und so … Es zeigt vor allem: man will kein Kind kriegen, weil man sein Leben wie jetzt weiter führen will.

Das ist vollkommen in Ordnung. Dann macht aber bitte kein Drama daraus und stellt nicht alle Mütter als klinisch tot dar. Das sind wir nämlich nicht. 

Mütter sind Frauen, Geliebte, Freundinnen, Töchter, Arbeiterinnen, Schreiberinnen, Kreative, Reaktionäre, Träumerinnen, Realistinnen, einfach alles, was auch jede andere Frau – jeder andere Mensch – ist, nur eben auch Mutter.
~ELW

Überdenken, Überarbeiten, Neu machen

Ich bin wenig aktiv in letzter Zeit, was das Schreiben angeht … Wobei … Eigentlich ist das so nicht die ganze Wahrheit. Denn obwohl ich nur wenig zum Schreiben komme, mache ich momentan andere Dinge, die ich schon viel zu lange vor mir herschiebe oder aber, die gerade dringender aus meinem Kopf wollen.
Da wäre z.B. die Überarbeitung von „Kreideherzen“. Nachdem ich die Geschichte aus privaten Gründen von seinem angestammten Platz auf fanfiktion.de nehmen musste, habe ich sie eine Weile ruhen lassen. Mir war klar, dass ich sie nicht mehr in der Form hochladen könnte (und wollte), wie sie war. Vor allem die Figur des Alexander musste sich verändern in einigen wesentlichen Punkten. Für mich und meine Beziehung zu seiner Figur. Wenn man aber fast 9 Jahre an einer Geschichte plant und feilt, die Protagonisten kennt wie seinen besten Freund, dann ist eine solche Veränderung schwierig.

Bei anderen Geschichten hätte es mich vielleicht weniger gestört, doch Kreideherzen ist für mich besonders. Mich bindet eine Hassliebe an diese Geschichte, die man kaum in Worte fassen kann. Mal brennt sie mehr, mal fast gar nicht, sodass ich denke, das Feuer ist aus. 

Die Figuren habe ich in all den Jahren geformt, ich kenne ihre Geschichte, ihre familiären Hintergründe, ihre Wünsche, Sorgen und Schwächen. Doch Alexander wird nun verändert. Er ist schon anders in meinem Kopf und nun beginne ich, ihn zu Papier zu bringen. Der alte Alexander wird Stück für Stück durch den neuen ersetzt, bis von dem Alten nichts übrig ist. 

Und ich muss gestehen, es tut auch ein bisschen gut, sich von ihm zu lösen, ihn neu zu erfinden. Das schafft mir wieder eine gewisse Distanz. 

Das erste Kapitel habe ich nun überarbeitet und das zweite angefangen. Es ist noch ein weiter Weg, denn Überarbeiten, Streichen, oftmals neu schreiben, dauert. Es ist eine aufwändige Arbeit, aber es ist auch faszinierend, wie viel man selbst am Ende streicht und wieder verändert. Und gerade die ersten Kapitel von Kreideherzen haben es bitter nötig, auch eine stilistische Überarbeitung zu bekommen. Es wurde Zeit.
Doch die Erneuerung meines „Babys“ ist nicht das einzige, woran ich arbeite. Zwei andere Geschichten werden gerade geplottet. Eine etwas längere „Fantasy“-Story, wobei Fantasy bei mir eher kein beliebtes Genre ist, von daher kann ich hier keine nähere Eingrenzung geben. Doch wie immer gibt es eine Portion Tragik und Drama dazu. (Nein, keine Vampire, keine Werwölfe, kein Game of Thrones)
Und dann ist da gerade ein ganz neues Plotbunny an mir vorbeigehüpft. Ein Kurzroman (hoffe ich), der in der Gegenwart spielt und einen Briefwechsel zweier befreundeter (vielleicht verliebter) Menschen zu Beginn der 1950er Jahre thematisiert. Ein bisschen Liebe, vor allem aber Familie, Selbstreflexion, Freundschaft und die Frage, ob man lieber seinen Träumen oder doch der Vernunft folgen soll. 
Ich bin also, wie ihr seht, in letzter Zeit nicht untätig, sondern durchaus im kreativen Prozess. Aktuell allerdings eher für mich, in meinem Kopf und zwischen den Seiten meiner Notizbücher. Ich gelobe aber, zumindest was das Bloggen angeht, Besserung.*

Es wird in nächster Zeit vielleicht auch wieder die ein oder andere Kurzgeschichte oder das ein oder andere Gedicht von mir zu lesen geben. Auch hier bin ich nicht untätig, ich habe nur keine Zeit, alles gleichzeitig zu machen. 

*(Gott, wenn ich jedes Mal 10 cent kriegen würde, wenn ich mir das vornehme.)
~ELW