Mein schuldhaftes Begehren

Ich hatte heute einen Gedanken. Einen Ausblick auf einen Moment, der irgendwann in Zukunft kommen wird. Ein Moment, vor dem ich mich plötzlich ein wenig fürchte. Und ich habe ein schlechtes Gewissen.

Es ist kein Geheimnis. Du bist mein geheimes Verlangen. Ein sündiger Traum. Wunschvorstellung. Mein Waswärewenn-Gedanke. Das funktioniert ganz gut als running gag zwischen uns. Als unausgesprochenes Vielleicht-Vielleichtauchnicht. 

Aber es wird der Moment kommen, an dem ist das Träumen vorbei und du ziehst dich – ganz ernsthaft – zu jemand anderem. Dann wird aus dem Waswärewenn ein Niemals. Und ich wünsche es dir eigentlich so sehr. Dass du glücklich bist, dass du kein Vielleicht bist. Aber gleichzeitig habe ich Angst, dass sich in diesem Moment etwas zwischen uns verändert. Und gerade ich sollte doch eigentlich nicht davon sprechen. Ich sollte ja nicht einmal träumen. Nicht einmal im Waswärewenn. Und tue es doch. 

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Rezension: Sein Artist

Julius Brück ist ein gealterter Gymnasiallehrer, der zurückgezogen in dem kleinen Städtchen Waidbronn lebt. Sein Leben scheint in geordneten Bahnen zu verlaufen, trotz seiner Schwäche für Überraschungseier – und der Tatsache, dass er von drei seiner Schüler mit einem delikaten Videofilm erpresst wird. Gerade als er denkt, dass er zusammenbricht, tritt Leonid in sein Leben. Leonid, ein junger Mann, sein ehemaliger Schüler, in dessen Leben ein Schicksalsschlag dem nächsten folgt. Doch obwohl Julius mit der Hilfe des jungen Mannes die erpresserischen Absichten seiner Schüler abwehren kann, ist auch in seinem Leben nicht alles so normal, wie es scheint. Als Leonid dem vierzig Jahre älteren Mann ein überstürztes Liebesgeständnis macht, erweckt er dunkle Erinnerungen aus Julius‘ Vergangenheit, der den Verlust seiner beider Lieben nie verwunden hat und die präsenter sind seit Leonid in seinem Leben ist und präsenter werden, desto näher sich die beiden Männer kommen. Doch ahnen sie nicht, wie viel tiefer ihre Beziehung in Wirklichkeit geht.

Alexandra Dichtler hat mit „Sein Artist“ eine Form der Erzählung wieder in mein Bewusstsein gebracht, welche ich fast vergessen glaubte: Die Novelle.

Deutschland ist ein Land der seichten Unterhaltungsromane geworden und die meisten Verlage trauen sich aus diesem Metier nicht heraus, wenn die Autoren keine international bekannten Koryphäen wie Stephen King oder Haruki Murakami sind, deren Kurzgeschichtenbände sich auch bei uns großer Beliebtheit erfreuen. In nicht einmal 100 Seiten schafft Dichtler, was anderen in 1000 Seiten nicht gelingen mag. Sie baut eine emotionale Nähe zu ihren Figuren, die man bei vielen Romanen vermisst. Man leidet mit Julius Brück und Leonid bis zur letzten Seite mit, auch wenn sie einem nur kurz vorgestellt werden, nur einen Nachmittag begleiten, denn länger braucht man nicht, um dieses Buch zu lesen.

Doch Vorsicht! Nur weil ich sage, dass man dieses Buch an einem Nachmittag durchlesen kann, heißt das nicht, dass man dieses Buch tatsächlich einfach weglesen kann, wie bei der durchschnittlichen Bestseller-Belletristik. Ich habe insgesamt vier oder fünf Anläufe seit Weihnachten gestartet und bin lange nicht über die ersten paar Seiten hinausgekommen. Nicht, weil es wahnsinnig schwierig oder anstrengend geschrieben ist. „Sein Artist“ ist meines Erachtens ein Stimmungsbuch. Wenn man den Kopf voll mit anderen Dingen, Ideen oder Aufgaben hat, wird man sich schwer in dieses Buch einleben können. Denn die wenigen Seiten sind gleichzeitig eben eine Stärke und eine Schwäche zugleich: Man steigt sofort ein in die Gefühlswelt und das Chaos der Protagonisten. Es gibt kein langsames kennenlernen und beschnuppern, wie bei einem Roman, wo man über mehrere hundert Seiten Charakterentwicklung eine Beziehung zu den Figuren aufbaut und entscheiden kann, ob man mit ihnen fiebert oder einem ihr Schicksal egal ist. Diese Zeit lässt einem „Sein Artist“ nicht. Entweder ganz oder gar nicht. Daher habe ich vier Monate gebraucht, um wirklich in dieses Buch einzusteigen.

Und wie erwähnt, sind die wenigen Seiten auch eine kleine Schwäche des Buches. Wie für Dichtler üblich, wird auch in diesem Ausflug nach Waidbronn die Realität durch Elemente der Phantastik verzerrt. Nicht stark, nicht großartig, doch für Julius und Leonid weltbewegend. Doch im Gegensatz zu ihrem Erstling „Schwester golden, Bruder aus Stein“, fehlt mir dieses Mal die Raffinesse. Man wird so hineingeschmissen und das Phantastische Element wird irgendwie plakativ in die eigentliche Geschichte hineingestellt. Wie ein Aufsteller. Nicht aus Pappe. Ein im Boden verschraubter Aufsteller aus Metall, gegen den man läuft und der einem Kopfschmerzen bereitet. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das positiv sehe. Momentan ist da dieses leicht unbefriedigte Gefühl in mir, vielleicht, weil ich es mir anders gewünscht hätte. Subtiler, hintergründiger irgendwie. Denn der eigentliche Plot ist so unfassbar traurig-schön, dass ich mir gewünscht habe, die beiden Protagonisten in den Arm zu nehmen und ihnen mütterlich zuzuflüstern, dass alles gut werden wird. Ich will nicht spoilern, aber: Gut ist am Ende dann nicht viel. Gut ist anders. Und es zerriss mein kleines Leserherz.

Über die Sprachgewalt von Alexandra Dichtler muss ich nicht viel sagen, denn ich kann nichts anderes, als ihren Stil immer und immer wieder zu loben und mir zu wünschen, ich könnte solche Emotionen und Bilder mit meinen Worten vermitteln. Das gelingt in meinen Augen nur wenigen Autoren, dass ich auch in kurzen Werken so mitleide.

Fazit: Anders als ihr Erstling „Schwester golden, Bruder aus Stein“, ist „Sein Artist“ kein Jugendbuch. Und das ist auch gut so, denn ein erzwungenes Trimmen auf ein jugendliches oder heranwachsendes Publikum hätte die Intensität der Emotionen vielleicht schwächer werden lassen. Stattdessen hat man ein intensives Drama in kurzen, beinahe unzusammenhängenden Kapiteln, durchbrochen manchmal von Gedichten oder Gedankenfetzen, deren tieferer Sinn sich erst zum Ende hin erschließt. Die Protagonisten sind das Leiden so gewöhnt, dass sie trotz der vierzig Jahre Altersunterschied einfach sehr gut zusammenpassen und man ihnen von der ersten bis zur letzten Seite wünscht, dass sie endlich einmal glücklich werden. Manko bleibt für mich, dass das phantastische Element meiner Meinung nach, nicht dem Talent der Autorin entsprechend verarbeitet wurde. Ich bin einfach von Dichtler besseres, tieferes gewöhnt und habe natürlich entsprechend hohe Erwartungen an ihre Geschichten. Dass die Geschichte undurchsichtig und verwirrend ist, ist auch klar, doch zum Ende hin kommt in diesen Knoten ein roter Faden und der Nebel lichtet sich. Trotz ein paar Abstrichen ist „Sein Artist“ ein wirklich gutes und empfehlenswertes Buch, aber nichts für Menschen, die gern ohne viel nachzudenken lesen und auf einen weiten Charakteraufbau Wert legen. Das Buch ist intensiv und wirft einen in das kalte Leid der Figuren wie in Wasser. Wer sich davor nicht scheut, hat hier jedoch seine Freude.

Hier noch mal ein kleine Zusammenfassung im Überblick:

Eckdaten

Titel:           Sein Artist

Autorin:       Alexandra Dichtler

Verlag:        e-book beim Ka&Jott-Verlag, gedruckt in geringer Stückzahl im Selfpublishing

Seiten:        99

Genre:        Drama/Fantasy/Phantastik

Bewertung

Story:         3,5/5

Sprache:    5/5

Gesamt:     4/5

Erwerben kann man das gedruckte Buch bei Amazon, jedoch nur in geringer Stückzahl. Das e-book ist in allen gängigen Shops erhältlich.

Ich habe das Buch als Rezensions-Exemplar von der Autorin erhalten und bedanke mich dafür noch einmal ganz herzlich. 🙂

 

Der neueste Roman von Alexandra Dichtler „Frei wie verkrüppelte Tauben“ erscheint übrigens demnächst im Ka&Jott-Verlag.

Weihnachtstraditionen und andere seltsame Sachen

Es gibt in jeder Familie bestimmte Rituale, die sich jedes Jahr an Weihnachten wiederholen. Bei mir wären das beispielsweise an Heilig Abend den Weihnachtsbaum schmücken, die Wohnung von Grund auf Putzen und abends dann Würstchen und Kartoffelsalat. Seitdem ich verheiratet bin, haben sich natürlich auch noch ein paar andere Traditionen eingeschlichen, die ich entweder von meinem Mann mit übernommen habe oder die wir seit der Geburt unseres Kindes selbst eingeführt haben.

Manche Traditionen sind etwas weniger offensichtlich und eigentlich auch unbeabsichtigt. Zum Beispiel habe ich jedes Jahr in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag einen arg verrückten Traum. Es ist nicht jedes Jahr derselbe und er ist nicht jedes Jahr auf dieselbe Art und Weise eigenartig. Aber eines haben all diese Weihnachtsträume gemeinsam: 
sie haben nie etwas mit Weihnachten zu tun

sie sind immer irgendwie verstörend

ich kann mich immer noch Tage und Wochen später daran erinnern

sie beschäftigen mich auch noch Tage und Wochen später

ich stehe immer irgendwie im Mittelpunkt, aber sie haben nie wirklich etwas mit meinem tatsächlich realen Leben zu tun

meine Familie kommt nie darin vor
Diese Träume reichen von absolut furchtbaren Horrorgeschichten, in denen ich verzweifelt um mein Leben kämpfen muss, bis hin zu einfach nur sehr verrückten Begebenheiten. Ich kann mich noch sehr lebhaft an einen Traum erinnern, den ich hatte, als ich etwa 13 oder 14 gewesen sein muss, der davon handelte, dass an meiner Schule ein extrem brutaler Amokläufer irgendwie alles abknallt, was sich bewegt und ich mich zwischen den Leichen von Lehrern und Schülern versteckt habe, um überleben.
Dieses Jahr war der Traum nicht wirklich horrormäßig, aber er verstört mich trotzdem irgendwie. Erotische Träume sind ja in der Regel nichts schlechtes und für gewöhnlich merke ich sie mir überhaupt nicht. Dabei ist es mir auch vollkommen egal, mit wem sie von statten gehen, denn für gewöhnlich ist es tatsächlich mein Mann oder einfach eine gesichtslose Gestalt. Und wahnsinnig häufig kommen sie in meiner Traumwelt auch nicht vor, sondern meist nur dann, wenn ich beim Schreiben kurz vor einer eben solchen erotischen Szene stehe und mir im Wachzustand darüber Gedanken mache.

Letzte Nacht träumte ich jedoch, dass ich eine Figur aus der Serie „Stubbe -Fall für Fall“ wäre und titelgebenden Kommissar Stubbe verführe. Ich habe eine komplette Folge quasi geträumt, wurde verdächtigt, meinen Stiefvater ermordet zu haben, es gab einiges hin und her, aber am Ende fand Stubbe den wahren Mörder und unserem „Liebesabenteuer“ stand nichts mehr im Wege.

Nun klingt das erst einmal nicht sonderlich seltsam oder verstörend, aber irgendwie war es das für mich doch. Mehr noch, als ich vorhin nach dem Schauspieler (Wolfgang Stumph) gegoogelt habe. Der Herr ist 44 Jahre älter als ich. Er könnte faktisch mein Großvater sein. /o\

Ich bin ja selbst mit einem Mann verheiratet, der 22 Jahre älter ist als ich, also nicht empfindlich bei Altersunterschieden. Aber bei 44 Jahren muss sogar ich schlucken und es läuft mir ein kleiner Schauer über den Rücken. o.ô
Nun ja. Habe ich also wieder einen Traum mehr auf meiner Liste, von der Sorte, an die ich eigentlich nicht mehr denken möchte. Wer weiß, was mich nächstes Weihnachten erwartet? 

Ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben. Und wünsche euch vorsorglich schon ein gutes neues Jahr. 

Wieso ich keine Feministin mehr sein will

Meine gesamte Jugend über habe ich mich selbst als moderne Feministin gesehen. Ich war mir meiner Weiblichkeit mit ihren Vorteilen (aber auch Nachteilen – verflucht seist du PMS) überaus bewusst. Und obwohl auch ich schon in sehr jungen Jahren Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen machen musste, die mich stark negativ geprägt haben, wollte ich mich niemals in die Opferrolle drängen lassen.

Ich bewunderte die Frauen, die sich zur Jahrhundertwende für das Frauenwahlrecht eingesetzt haben und auch diejenigen, die endlich selbstbestimmt einen Beruf ausüben wollten, ohne ihren Ehemann fragen zu müssen. Und ich bewundere auch heute noch starke Frauen, die sich für das Recht auf Bildung, Gleichberechtigung oder auch Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen.

So weit so feministisch.

Die ersten Zweifel am modernen Feminismus hatte ich, als die Frage nach der Frauenquote kam. Wie sinnig oder unsinnig sie ist, wurde vielfach ausdiskutiert und ich kann sowohl manche Pro- als auch manche Kontraargumente nachvollziehen und andere eben nicht. Trotzdem blieb mir bis zum heutigen Tag der etwas bittere Beigeschmack beim Thema Frauenquote. Möchte man eine Stelle nur bekommen, weil man eine Frau ist? Und selbst wenn man vielleicht besser war als alle anderen Bewerber und die Stelle zurecht besetzt, bleibt in einer Männerdomäne nicht trotzdem der Makel der „Quotenfrau“. Für mich wäre dies eine Degradierung – und eine Form der positiven Diskriminierung. Ich erhalte einen Vorteil, weil mein Vater statt eines Y- ein X-Chromosom weitergegeben hat. Wie unwillkürlich in meinen Augen.

Auch die gegenderte Sprache ist mir als Schreiber und Sprachliebhaber häufig einfach zuwider. Bei Anreden, Titeln und Berufsbezeichnungen gehe ich mit. Immerhin ist ein Arzt keine Ärztin, wieso also umgekehrt? Wenn man aber Bekanntmachungen oder ähnliches nicht mehr lesen kann, weil in jedem Satz noch Schrägstiche, große „i“ oder – ganz neu – Gendersterne enthalten sind, wird es anstrengend. Wenn über einem Brief „Sehr geehrte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ steht, fühle ich mich vom gesamten nachfolgenden Text angesprochen, auch wenn nicht pausenlos gegendert wird. Lustiger wird es nur noch, wenn „neutrale“ Bezeichnungen auf Biegen und Brechen gesucht werden und es dann zu seltsamen Neologismen wie „jemensch“ kommt.

Welche Ausuferungen das Gendern der Sprache und die zwanghafte Erhebung von Frauen haben kann, habe ich in meiner langjährigen und nun vergangenen Mitgliedschaft der Partei Die LINKE. gesehen. Steht ein Mann an der Spitze des Wahlzettels MUSS eine Frau die Zweitplatzierte sein, egal ob eine geeignete Frau da ist oder nicht. Dann wird mitunter der Bock zum Gärtner gemacht, wenn die weiblichen Mitglieder durch Unfähigkeit glänzen und trotzdem in gehobene Positionen gelangen. Ich halte Frauen selbstverständlich nicht per se für unfähiger als Männer, aber wie überall gibt es sowohl fähige als auch unfähige Menschen. Und Männer werden nicht per Parteibeschluss auf den zweiten Platz gehoben, wenn eine Frau den obersten Listenplatz erhält. Andersrum gilt der Beschluss nämlich natürlich nicht.

All diese Dinge sehe ich aber als gar nicht so gravierend und ich könnte mich mit einem ansonsten gut durchdachten und rationalen Feminismus trotz solcher, meines Erachtens unsinnigen, Dinge anfreunden. Denn auch wenn ich persönlich solche Dinge unnötig finde, heißt es nicht, dass sie es tatsächlich sind. Es gibt nämlich einen chronischen Mangel an Frauen in Führungspositionen, es gibt sprachliche Diskriminierungen und es gibt Parteien, die so fest in Männerhand sind, dass man das Gefühl hat, dass sie sie nicht einmal im Tod freigeben werden, nur um keine Frau in gehobenen Positionen zu haben.

Doch dann kam das Internet. Genauer gesagt Twitter und dort viel zitierte feministische Blogs, die tatsächlich von den weiten Teilen des modernen Feminismus gegen jedweden Widersacher verteidigt werden. Und ich wurde konfrontiert mit Frauen, die in ALLEM sexuelle Belästigung sehen. Vom Busfahrer, der am Morgen „Hallo“ sagt bis zu einem Mann in einer Bar, der es wagt, sie einfach anzusehen. Nicht starren, nicht fixieren, nicht mit den Augen ausziehen. Einfach kurz von der Seite angeguckt und – BÄMS – du bist ein verabscheuungswürdiges Objekt. Du hast als Mann deine Beine nicht zusammengeklappt, sondern sitzt breitbeinig da? Breitmachmacker! Du zweifelst die Geschichte an, die gegen Kachelmann verbreitet wurde? Du Victimblamer! Du bist ein Mann, der lebt und atmet? Du bist die Personifizierung des Monsters.

Ich stieß auf Blogs, die wilde Fantasien enthielten, wie man mit dem männlichen Geschlecht am besten verfahren sollte. Als Zuchtmaschinen und Sklaven. Gerade so nützlich für niedere Arbeiten, für die sich die feministischen Damen dann wohl doch zu fein oder schwach fühlen (obwohl sie ja alles allein könnten), und um den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten, denn ob das einer Feministin nun gefällt oder nicht: Auch um ein Mädchen zu zeugen, braucht es in der Regel nunmal auch einen Mann.

Spätestens als ich von „politischen Lesben“ las, war die neue Welle des Feminismus für mich gestorben. Einfach alles, was diese Frauen verkörpern, widerspricht meinem Empfinden von Moral und einer gleichberechtigten Welt. Diese Frauen stilisieren sich nonstop zu Opfern einer ganz furchtbaren, männerdominierten, frauenverachtenden Welt und merken nicht einmal, dass sie sich damit selbst am meisten diskriminieren und andere Frauen gleich mit.

Ja, auch ich war schon Opfer sexueller Gewalt, auch wenn ich von einer „vollendeten“ Vergewaltigung zum Glück verschont geblieben bin, auch eine versuchte Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe anderer Art hinterlassen ihre Spuren. Auch, wenn man als 16-Jährige fast vergewaltigt wird, knapp entkommt und zur Polizei läuft, die dann zu faul ist, eine Anzeige aufzunehmen, weil einem ja „nichts passiert ist“. Habe ich deshalb Angst, nachts alleine auf die Straße zu gehen? Nicht deshalb, sondern ganz generell, denn auch jenseits von Vergewaltigern gibt es eine ganze Menge kranker und gefährlicher Leute da draußen – beiden Geschlechts. Ich wurde nämlich als Jugendliche auch schon einmal abends von einer Mädchenclique überfallen. Auch das war eine beängstigende Situation. Nein, kein „what about…?“ sondern einfach die Summe MEINER Erfahrungen.

Muss ich deshalb mein ganzes Leben lang Opfer sein? Nein danke, das ist mir zu anstrengend. Ich kenne viele sehr nette und einige unangenehme Menschen jedweden Geschlechts und jedweder Gruppen. Ich möchte mit all diesen Menschen – auch den mir unangenehmen – friedlich zusammenleben. Ich möchte, dass diese Menschen ihren Weg gehen können, so wie ich meinen gehen möchte. Ich will nicht Opfer sein, ich will andere nicht prinzipiell als Täter sehen. Denn: Was habe ich davon, ein Leben in Angst zu führen? Nichts, außer Angst. Und Angst schränkt ein. Angst macht krank. Angst macht blind.

Aber genau das ist es, was ich in diesem neuen Feminismus sehe: Eine Ideologie der Angst. Habt Angst vor Männern. Männer wollen euch zurück an den Herd schicken. Sie wollen euch besitzen wie Vieh, euch einsperren, schlagen und vergewaltigen, wie es ihnen gerade beliebt. Männer wollen die Macht, aber wir nehmen sie ihnen weg. Damit wir Frauen die Macht haben und die Männer vor uns in Angst leben müssen.

Auge um Auge, quasi. Das ist aber nicht meine Vorstellung der Zukunft. Am Ende bekämpfen wir uns dann gegenseitig und es wird immer ein Wechsel der Machtpositionen sein. Was für eine furchtbare Vorstellung. Eine Vorstellung, die ich meinem Sohn um keinen Preis der Welt vorleben wollte. Lieber möchte ich, dass wir endlich gleichberechtigt nebeneinander leben. Nicht mehr in Kategorien „Mann“ – „Frau“ denken, sondern jeden Menschen als das sehen, was er ist: Ein Individuum. Mit Stärken und Schwächen, aber immer den gleichen Rechten und Pflichten. Manche sind nett, andere sind scheiße. Das war und ist so und das wird auch immer so bleiben. Wir sind nicht alle gleich, aber alle gleichberechtigt.

Und auch, wenn ich weiß, dass diese extremen Auswüchse nicht auf alle Feministen zutreffen, gerade in Ländern, in denen die Gleichberechtigung der Frau noch in den Sternen steht, sind es mir persönlich doch zu viele. Menschen, die Hass verbreiten und anerkannte Sprecher feministischer Bewegungen sind, kann ich nicht unterstützen.

Deshalb bin ich keine Feministin mehr. Ich will keinen Hass und keine Angst, ich will Gleichberechtigung und das kann mir der Feminismus in seiner jetzigen Form nicht bieten.

Junger Kultur- und Medienjournalismus

Vielleicht hat es der ein oder andere schon mitbekommen. Spiegel Online hat seit einiger Zeit sowas wie eine „Jugendseite“, auf der junge Nachwuchsjournalisten über ihre Lebenserfahrungen, Gedanken und Beobachtungen schreiben.

Im Endeffekt kommt es einem vor wie ein großer bunter Blog, in dem so viele Themen aus den aktuellen Trends abgegrast werden, wie möglich. 

Das Konzept ist nicht neu, wurde es doch vom Stern schon in den frühen Nuller-Jahren realisiert, lange vor dem Smartphone-Boom und Social Media. Auch der Zeitverlag brachte mit „ze.tt“eine moderne und jugendlichere Form von sich ins Rennen. Seit Oktober ist nun auch Spiegel Online dabei mit ihrer japanischen Lunchbox.

Prinzipiell finde ich das Prinzip gut, dass man neben den „großen Nachrichten“ auch das thematisiert, was vielleicht global unwichtig, aber dennoch für eine jüngere Generation interessant ist. Gerade im Bereich social media sind die 15- bis 30-Jährigen versierter und sicherer als ein alteingesessener Journalist, der zwar sein Handwerk beherrscht, jedoch nicht mehr den Blick für das Jugendliche hat. Ich kann sogar damit leben, dass die Artikel häufig wenig bis gar nichts mit Journalismus zu tun haben.

Eine Sache fällt mir jedoch immer wieder negativ auf, wenn ich Artikel lese, die sich mit der angeblichen und tatsächlichen Lebensrealität junger Menschen zu beschäftigen scheint: die Einseitigkeit.

Natürlich können die Schreiberlinge bei bento, ze.tt und Co. nur von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Heraus kommt jedoch ein avantgardistischer Einheitsbrei einer geisteswissenschaftlichen Elite, deren Weg in den gehobenen Journalismus oder die Kunst- und Kulturszene feststeht. Mitunter gönnerhaft und arrogant erzählen Mittzwanziger, was man im Studium unbedingt erlebt haben muss, von sexuellen Abenteuern, die schon in den 90ern keine Oma mehr die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte oder von der ewigen Debatte wie weit die digitale Welt unser Leben bestimmen sollte. Individualität wird gefordert, gleichzeitig werden „Randgruppen“ milde belächelt. 

Irgendwo zwischen Veganschick und Wurstgate-Lachern stelle zumindest ich immer wieder fest, dass dies nichts mit meiner Lebensrealität zu tun hat. Und ich liege mit meinen 25 Jahren und meinem am Arm quasi festgewachsenen Smartphone, dem viel zu viel frequentierten Twitteraccount und meinem nicht allzu unterirdischen IQ eigentlich voll in der Zielgruppe.

Woran liegt es also? Daran, dass ich einen Vollzeitjob und ein Kind habe? Dass meine Realität zwischen Bahnfahrten, Büroarbeit und Gute-Nacht-Liedern pendelt? Dass ich es nicht schaffe, die Kraft und die Zeit dafür aufzubringen, jedem Selbstverwirklichungstrend nachzueifern, weil ich genug damit zu tun habe, meine Familie, meine Beziehung und mein Berufsleben am Laufen zu halten? Weil ich arbeiten muss, um überhaupt ein Leben zu leben? 

Die zwanghafte Jugendkultur liegt mir nicht. Ich bin jung, ich habe junge Interessen, bin mitunter kindisch und affig. Aber mit 25, abgeschlossenem Studium, befristeten Arbeitsverträgen und Familie kann ich mich beim besten Willen nicht mehr als Jugendliche sehen. Und ich finde es seltsam, wenn Leute, die älter sind als ich, diesen Schein aufrecht erhalten wollen. Den Geist unbändiger 18-Jähriger trifft man so dennoch nicht.

Einen fruchtig-smoothen Guten Morgen!

Was für ein bescheuerter Titel. 

Und so ein plumper Hinweis auf das Thema dieses Beitrags. Aber gut, ich finde mich ja auch gerade erst wieder ein in meinem kleinen Blog.

Außerdem könnt ihr gerade wirklich keine geistigen Höhenflüge von mir erwarten. Es ist immerhin erst sechs Uhr morgens, ich stehe an der siffigen Haltestelle und warte auf den Bus, der mich zur Arbeit bringt. Ich träume vom Wochenende und davon mal wieder etwas mehr Zeit für mich zu haben – das wäre tatsächlich mal wieder schön.

Bis dahin versuche ich mir den tristen Alltag angenehmer zu gestalten und weiterhin ein bisschen auf meine Ernährung zu achten. Viel Obst, Gemüse und Wasser. Der gute Vorsatz wird heute wieder versucht mittels eines leckeren kleinen Smoothies to go einzuhalten. 🙂 

 

Für den heutigen weißen Smoothie habe ich 1/2 Banane, 1/4 Honigmelone und 1 Birne (geschält und entkernt) mit einem halben Becher Joghurt, etwas Wasser und einem Spritzer Limonensaftkonzentrat püriert. Ich kann mir vorstellen, dass das Ganze mit ein bisschen Crushed Ice auch für einen heißen Nachmittag eine prima Erfrischung ist. Der süß-saure Geschmack ist für sich schon sehr lecker.
Ich lasse mich jetzt ne Stunde vom Bus durchrütteln und wünsche euch allen einen wundervollen Tag – das Wochenende ist schon fast zum Greifen nah! 😀
~ ELW

Rezension: Schwester Golden, Bruder aus Stein

Jeden Morgen geht Lotta in den Wald. Es ist wie eine Droge, eine Sucht – und die einzige Möglichkeit den „Ofen“ zu besänftigen, der in ihrer Brust sitzt. Der Ofen, der in ihr sitzt, seit sie denken kann, der stets auflodert und sie beeinflusst. Doch dann stolpert plötzlich Jurij in ihr Leben…

So könnte man den Ausgangspunkt von „Schwester Golden, Bruder aus Stein“ von Alexandra Dichtler beschreiben. Dass ich dieses Buch kaufen und lesen musste, war für mich absolut klar. Eine Rezension zu schreiben, ist hingegen schon schwieriger – zumal ich noch nie in eine solche verfasst habe. Aber wieso nicht mit dem Erstling einer von mir äußerst geschätzten und bewunderten Autorin beginnen? Fangen wir also an:

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 17-Jährige Lotta Katz, die nach dem Tod ihrer Eltern von ihrem Großvater Clemens aufgezogen worden ist. Ein Mann, der liebevoller und geduldiger nicht sein könnte und somit ein wunderbares Gegenstück zu seiner Enkelin darstellt. Denn Lotta hat offensichtlich Probleme. Aufgrund von Konzentrationsstörungen hat sie gerade so den Hauptschulabschluss geschafft und steckt nun in einer Maßnahme für – nun, sagen wir mal – schwer zu vermittelnde Jugendliche. Und wäre die ungewisse Zukunft nicht problematisch genug, ist da noch dieses stechende, lodernde Gefühl in ihrer Brust, eine unbestimmte Wut und Unruhe, welche schon da ist, seit sie denken kann. Um ihren Ofen, wie sie es nennt, zu beruhigen, geht Lotta jeden Morgen in den Wald. Die kühle Luft, die Natur, das beruhigt die Flammen in ihrem Inneren.

Von ihren Mitmenschen weitgehend enttäuscht, sind die einzigen Menschen, denen sie vertraut, ihr Großvater und die Nachbarin Annett. Kontakt zu anderen Jugendlichen hat sie kaum und will es nicht, denn sie ist anders, nicht nur in ihrem Inneren, sondern auch ganz banal optisch. Lotta ist nämlich kleinwüchsig. Wenn auch mit normalen Proportionen, braucht sie auch mit 17 noch einen Kindersitz im Auto. Unter einer harten, sarkastischen Oberfläche kämpft sie mit ihren Erfahrungen und Reaktionen ihrer Mitmenschen. Bemüht gleichgültig, versucht sie, ihr Leben in den Griff zu bekommen, ohne zu viel von sich preiszugeben.

Und dann kommt Jurij. Ein 18-Jähriger, der seine Ausbildung aufgrund zu hoher Fehlzeiten abbrechen musste und in dieselbe Maßnahme geschickt wurde wie Lotta. Und ausgerechnet Lotta ist es, die er fragt, ob sie ihm helfen könnte den Stoff nachzuholen, wenn er fehlt. Wütend darüber, dass er sie augenscheinlich ausnutzen wollte, wenn er blau machte, schwört sie sich, ihn links liegen zu lassen. Doch da ist etwas an Jurij, an seinem Verhalten, dass Lotta spüren lässt, dass nichts immer so ist, wie es scheint.

Denn Jurij ist das Gegenteil von verantwortungslos. Sich selbst vergessend kümmert er sich um seine kleine Schwester und seinen schizophrenen Bruder, während die Mutter täglich viel arbeitet, um ihren Kindern ein halbwegs gutes Leben zu ermöglichen.

Lotta beginnt zu verstehen, dass nicht nur sie missverstanden durch diese Welt geht und beginnt, Jurij zu helfen. Doch immer häufiger passieren seltsame Dinge mit ihr und es ist nicht mehr nur der Wald, der ihren Ofen zu stillen vermag. Die Grenzen zwischen Realität und Wahn scheinen für Lotta immer häufiger zu verschwimmen und durch die Konfrontation mit Jurijs Bruder, lebt sie plötzlich in der Angst, selbst schizophren zu sein. Aber wieso sind dann ihre Träume, ihre Bilder und ihr Leid so real?

In fesselnden Worten beschreibt Alexandra Dichtler eine Geschichte, die wie ein gewöhnliches Jugendbuch beginnt. Teenager an der Schwelle des Erwachsenseins, nicht einzuordnende Gefühle, Probleme mit der Schule, der Umwelt, Erwachsenen … Und obwohl ich selbst kein Freund von Jugendbüchern bin und zu Beginn nicht wusste, worauf die Geschichte hinaus laufen würde, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Dichtler schreibt mal einfach, mal ausschweifend, mal hart und realistisch und dann doch wieder blumig und irreal. Nicht nur das Erzählte bringt einem die Geschichte von Lotta näher, sondern vor allem auch der Schreibstil, der die Grenzen zwischen Wahn und Realität gekonnt verwischen lässt. Aus scheinbar banalen Formulierungen erwachsen plötzlich Hintergründe, die man nie geahnt hätte. Als Leser erfährt man nie zu viel und das Buch entwickelt sich von einer unangenehm realistisch-hoffnungslosen Geschichte einer problematischen Teenagerin zu einem phantastischen Abenteuerroman, der ganz reale Probleme des täglichen Lebens der aufgegebenen darstellt und gleichzeitig über die Realität herauswächst.

Eine kleine Kritik habe ich dennoch zu äußern. Das Ende der Geschichte war mir zu kurz. Im Vergleich zum Aufbau der Vorgeschichte war das Ende gefühlsmäßig in wenigen Worten abgefrühstückt, wenn man so will. Ich will nicht spoilern, aber ich sage mal, dass das Ende für mich inhaltlich perfekt war, nur sprachlich war es für mich einfach nicht rund. Ein Kritikpunkt, den man mit Sicherheit verschmerzen kann, denn es war nicht unbefriedigend, nur hätte ich mir eben etwas mehr gewünscht.

Fazit: Selbst wenn man Jugendbücher für gewöhnlich nicht mag, aber keine Berührungsängste mit phantastischer Literatur als Genre hat, sollte man dieses Buch lesen. Es ist kein typisches Jugendbuch, auch wenn es unter anderem die Probleme von Heranwachsenden thematisiert, bleibt es nicht dabei. Der Schreibstil der Autorin hat mich wieder einmal mehr als überzeugt und ich weiß wieder, wieso ich sie so unglaublich bewundere und nach dem Lesen ihrer Geschichten grundsätzlich in eine kreative Schaffenskrise drifte.

Hier noch mal ein kleine Zusammenfassung im Überblick:

Eckdaten

Titel:           Schwester golden, Bruder aus Stein

Autorin:       Alexandra Dichtler

Verlag:        In Farbe und Bunt Verlags-UG

Seiten:        270

Genre:        Fantasy/Phantastik

Bewertung

Story:         4/5

Sprache:    5/5

Gesamt:     5/5

Erwerben kann man das Buch im Verlagsshop, bei Amazon – ich habe es bei meinem örtlichen Buchhändler bestellt und es am nächsten Tag erhalten.

Liebe Grüße

ELW

(P.S.: Anmerkungen? Kritik? Widersprüche? –> Kommentarfunktion)