Erotisch(es) Schreiben

Hand auf’s Herz, liebe Schreib-Kolleg*innen: Wer von euch, der Sex und Erotik in seinen Geschichten thematisiert (und wenn nur als Randerscheinung), ist noch nicht darüber verzweifelt? Ich zumindest stöhne jedes Mal, wenn es in meinen Geschichten zu erotischen Momenten kommt, eher aus Frust als aus Lust. Denn ehrlich, es ist wirklich schwer, Erotik auch erotisch auf’s Papier zu bringen.

Man schreibt das Kennenlernen der Figuren, das Näherkommen, anfängliches Interesse. Was dann kommt, ist eigentlich klar, denn (im besten Fall) weiß man ja, wie es sich anfühlen muss zwischen zwei Menschen, die einander zugeneigt sind. Und man will seine Leser*innen dieses erwartungsvolle Kribbeln, das ganze klischeebedingte Programm der sich aufbauenden Leidenschaft hautnah erleben lassen. 

Die schrittweise Überbrückung der Distanz hin zur Intimität. Zuerst durch lange, intensive Blicke. Mit Bedacht gewählte Worte, um Grenzen abzuklopfen und widerspiegelndes Interesse des Partners zu erhoffen. Die ersten, flüchtigen Berührungen. Der erste Kuss! Liebes- oder wenigstens Leidenschaftsgeflüster. Der erste Sex!!! Hurra!!!!! Leidenschaft! Erotik! Vielleicht Liebe! Die Leser*innen sind entzückt und schwitzen ihre Höschen feucht!

Oder gähnen gelangweilt.

Was noch die beste Reaktion wäre, wenn man die ganzen tollen Erotik-Szenen versemmelt hat, auf die man zuvor so stolz war. Im schlimmsten Fall lachen sich die Leser*innen schlapp und dass das kein Einzelfall wäre, beweist zum Beispiel der (wirklich geniale) Twitter-Account germanerotica. Ich liebe diese Seite, weil sie die skurrilsten und witzigsten Abgründe der Erotikliteratur (im weitesten Sinn, manches ist schlicht Porno in Buchstabenform) in Szene setzt. Was hab ich über die Beiträge schon gelacht. Bis ich vor kurzem mit einer neuen Geschichte anfing, in der es gleich im ersten Kapitel zum Sex zwischen den Protagonisten kommen soll.

Ja, ist wichtig für den Plot, aber scheiße … wie schreib ich das denn jetzt vernünftig?

Es ist nicht so, dass ich noch nie eine Sexszene geschrieben hätte. Und wie ich das habe! Die werde ich aber mit Sicherheit niemandem jemals zeigen. Ja, es sind pornöse Kurzgeschichten, von denen ich rede. Kurze Szenen, in denen kleine Fantasien einfach heruntergetippt wurden, ohne auf sprachlichen Stil, Spannungsbogen oder Realismus zu achten. Ich schreibe solche Dinge aus Spaß. Sie sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, ich lese sie mir meist nicht einmal mehr durch, wenn sie fertig sind.

Ich bin eigentlich ein schwafeliger Schreiber. Meine Figuren nähern sich einander langsam, die Romanze – obwohl häufig Hauptthema der Geschichte – wird in den Alltag eingeflochten, wie es im Leben halt so ist. Man konzentriert sich ja eher selten 24/7 auf ein potenzielles Loveinterest, sondern hat noch ein Leben drumherum, mit Job, Freunden, Familie, Problemen. Da kann ich das „Kribbeln“ durch Andeutungen und Wartenlassen erzeugen. Und wenn es tatsächlich zum Sex kommt, wird vorher ausgeblendet, wie in einem Film FSK 12. Nicht originell, aber häufig die bessere Lösung, bevor es zu peinlichen Floskeln kommt, die der Story die Stimmung versauen.

Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als schlechte Sexszenen in einer ansonsten wundervollen Geschichte. Plötzlich wird der Realismus umgekehrt. Fremde Lippen schmecken nach Erdbeeren, obwohl Mensch kurz zuvor noch lässig an einer Zigarette gezogen hat. Brüste spitzen sich zu zarten Knospen zu, ein Penis ist eine Lanze der Lust, eine Vagina eine Tropfsteinhöhle und alle haben multiple Orgasmen.

Es schüttelt mich, wenn mich Sexszenen komplett aus einer Story reißen. Ich kann sogar mit Fug und Recht behaupten, dass ich, trotz der Vielzahl an Sexszenen, die ich gelesen habe, nicht eine gefunden habe, die ich als rundum gelungen empfunden habe. Vielleicht versuche ich deshalb, das Schreiben solcher Szenen zu vermeiden.

In meiner aktuell geplanten Story werde ich aber leider wohl nicht drum herum kommen. Es geht nicht um Alltag, um die Liebe im Rahmen einer anderen Handlung, sondern nur um das Miteinander zweier Menschen, in deren Leben Sex eine zentrale Rolle spielt. Und ich hadere mit mir. Denn es soll erotisch sein. Nicht pornös. Und schon gar nicht peinlich.

Und ich will den Sex auch beschreiben, denn er ist eine Schlüsselszene. Klingt vielleicht seltsam, aber so ist es. Es geht nicht um die bloße Befriedigung von Lust, sondern um eine erweiterte Art des Kennenlernens, wenn man so will.

Eine bis vor kurzem fremde Hand, die plötzlich ganz liebevoll über deine Wange streicht. Ein Blick, der noch nicht vertraut ist, sich aber intim anfühlt. Lippen auf deinem Mund. Nah, zärtlich. Finger, die die Nähe zu dir suchen, schüchtern vielleicht.

Egal wie viel Erfahrung man schon im Liebesleben gesammelt hat, der erste Sex mit einer neuen Person, ist wohl immer etwas Besonderes. Man möchte, dass es unvergesslich und schön wird. Für einen selbst und für den anderen. Nervosität gehört dazu, doch wenn das Gegenüber es schafft, einem ein sicheres Gefühl zu geben, ist es eine schöne Mischung aus Angst und Erregung.

Und jetzt pack das mal ordentlich in schöne Worte, wenn es dafür eigentlich keine passenden Worte gibt. Noch habe ich keine Lösung für dieses Problem. Ich bin auch nach wie vor auf der Suche nach gut geschriebenen Sexszenen in Büchern oder Kurzgeschichten und werde kaum fündig, trotz der in letzter Zeit stark präsenten „erotischen“ Literatur wie 50 Shades of KeinMannKönnteSoVielKohleHaben. Vielleicht bin ich auch einfach zu wählerisch in solchen Dingen. Aber ich bin ja auch älter und erfahrener geworden. Das hängt bei diesen Themen dann doch irgendwo zusammen. Geschichten von Teenies, die ihre pubertären Wunschvorstellungen niederschreiben, quittiere ich mit einem Lächeln, manchmal einem Kopfschütteln.

Wirkliche Erotik ist heiß, weil sie einen gewissen Realismus nicht vermissen lässt. Man möchte sich, seine Wünsche und Erfahrungen darin wiederfinden. Nur dann springt das Kopfkino erst richtig an. Und Lippen schmecken nun einmal nicht nach Erdbeeren, wenn man nicht vorher Erdbeeren gegessen hat. Eine Vagina ist keine nach Rosen duftende, ewig nasse Höhle. Und ein Penis ist kein eisenharter, gerade emporgerichteter Speer, sondern ein empfindsames Organ. Und es gibt mehr erogene Zonen bei Männern und Frauen, als man glaubt und Sex ist mehr als rein, raus, Höhepunkt, fertig.

Wenn ich weiß, wie ich das alles in hübsche Worte verpacken kann, werde ich mich einmal glücklich und zufrieden zurück lehnen. Bis dahin werdet ihr wohl noch mein Stöhnen hören – vor Frust, nicht Lust.

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Ein Hoch auf die Sue!

Nein, der Titel ist kein Sarkasmus, ihr lest richtig. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bloggern und Autoren, die sich mit dem Thema beschäftigten, möchte ich heute ein Lobeslied auf die Mary Sue singen. Und bevor ich gesteinigt werde, möchte ich erklären, wieso ich der Meinung bin, dass die Mary Sue besser ist als ihr Ruf.

Was ist die Mary Sue?

Nicht jeder kann etwas mit diesem Begriff anfangen, deshalb eine kurze Erklärung vorneweg. Die Mary Sue ist in Kreisen von Hobbyautoren (vornehmlich aus dem Fanfiction-Bereich) die Synthese von Perfektion und Schrecken. Sie ist der Charakter, den alle lieben. Sie ist schön und klug, macht selbst die finstersten Antagonisten wieder zu menschlichen Wesen, mit einer wunderschönen Singstimme, selbstgeschriebenen Gedichten und gottgegebenem Talent in allen Dingen. Ohne Fehl und Tadel schwebt sie als Überheldin durch die Geschichten. Ihre einzigen Schwächen sind eine geradezu niedliche Tollpatschigkeit, ein zu großes Herz und ein gar zu besonders-bildhübsches Äußeres (das meist auf besondere Eigenschaften oder eine edle Herkunft deutet).

Kurz: Die Mary Sue ist der Inbegriff der vollkommenen Charakterlosigkeit. Sie ist zu schön, zu besonders, zu gut. Sie ist einfach unrealistisch.

Und nicht nur weibliche Charaktere sind davon betroffen. Das männliche Pendant ist Gary Stu, dem jede Frau zu Füßen liegt und der auch aus der ausweglosesten Situation zu entkommen weiß.

Das klingt alles furchtbar langweilig. Und meist ist es das auch. Mary Sues erkennt man oft schon am Namen und am Äußeren ganz am Anfang einer Geschichte. In den ersten Seiten wird sie in gähnender Inhaltslosigkeit vorgestellt, wie sie vor dem Spiegel steht und ihr gar „unbesonderes“ Dasein beschreibt. Mit Haaren, das in sanften Wellen über ihre schmalen Schultern fließt wie ein Bach aus Milch und Honig, smaragdgrünen Augen, die ihre Farbe je nach Stimmung in einen tiefen Bernsteinton ändern können und einem feinen Gesicht, das selbst die Feenkönigin Titania wie eine alte Vettel erscheinen lässt.

Okay, okay … ich höre schon auf. Ebenso wie die meisten Geschichten, in denen diese Art von Charakter vorkommt, werden meine Beschreibungen nicht besser, sondern nur noch unrealistischer und kitschiger.

Wie kann man also ein Lobeslied auf eine solche Ausgeburt der Charakter-Klischee-Hölle singen wollen?

Die Begründung ist ganz einfach: Weil es gut tut, eine Mary zu schreiben!

Ja, ihr habt richtig gehört. Es tut gut. Und derjenige, der noch nie dabei war, eine Mary in seine Geschichte zu schreiben, werfe den ersten Stein.

Meist ist die Mary in Fanfictions von Teenagern zu finden, die sich selbst in einer perfekten Fassade mit ihrem Lieblingscharakter verkuppeln. Es sind Dinge, die niemals passieren werden und wir wissen das alle. Auch die Teenager wissen das. Aber ja, auch ich habe so mit dem Schreiben angefangen. Ich habe mich in das Harry Potter-Universum geschrieben in der Art, wie ich gerne sein wollte. Schön, tough, intelligent, besonders. Und es hat mir geholfen, diese Fantasien zu Papier zu bringen. Es hat meinem 14-Jährigen Ich Spaß gemacht und darum ging es mir.

Nichts anderes soll die Mary Sue bringen: Spaß am Schreiben.

Und ab und zu erschaffe ich noch immer Mary Sues, da bin ich ganz ehrlich. Wenn ich eine stressige Woche auf der Arbeit hatte und mies drauf bin, spinne ich mir im Kopf Geschichten zurecht, in denen ein perfektes Ich bestimmte Situationen durchläuft und es entspannt mich ungemein. Heute würde ich diese Geschichten auf keinen Fall zu Papier mehr bringen. Die Energie, die ich dafür aufwenden müsste, stecke ich lieber in meine richtigen Projekte. Und ich muss diese Geschichten auch nicht noch einmal lesen (und schon gar nicht anderen zugänglich machen, oh Gott, diese Peinlichkeit!).

Also breche ich heute eine Lanze für die Mary Sue, denn wir brauchen sie. Als Maßstab, wie ein tiefgründiger Charakter NICHT aussehen sollte. Aber auch für unser eigenes Wohlbefinden, für das Ausleben manch privater Fantasie, auch wenn die niemand anders erfahren wird. Als die strahlende Schönheit, der alle Männer erliegen, an Tagen, in denen wir uns fühlen, wie der Blob. Als Gary Stu, der uns als strahlender Ritter aus jeder noch so undenkbar aussichtslosen Lage befreit (ja, ich gucke euch an Kirk und MacGywer und wie ihr Helden alle hießt). Und als Dark Mary, wenn wir jemandem alles erdenklich schlechte, übelste und grausamste antun möchten, was uns im Kopf herumspukt.

Danke Mary, dafür, dass du dich immer für jeden noch so furchtbar dämlichen, unrealistischen Bockmist hergibst und dabei nichts von deiner strahlenden Schönheit verlierst!

Vielen Dank für all die wunderbaren, schrecklichen und hochpeinlichen Momente, von denen niemand jemals etwas wissen sollte.

Danke Mary!

Gaming-Mom

Es ist noch nicht so lange her, dass ich mich mit einer Kollegin über unsere Kinder unterhalten habe. Ihr Sohn war gerade zehn geworden, meiner war zu diesem Zeitpunkt drei. In jeder Minute dieses Gespräches ließ sie mich spüren, dass sie die erfahrenere Mutter war. Immerhin bin ich gerade einmal 24, währenddessen sie mit ihren 36 die Weisheit ja mit Löffeln gefressen hatte.

Und wie wir uns so unterhielten, über Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke und was für Kinder in welchem Alter als adäquat angesehen werden kann, erzählte sie mir, was ihr Sohn sich zum Geburtstag (seinem zehnten wohlgemerkt) gewünscht hatte. Ein Computerspiel, genauer eine Rennsimulation. Gut, das ist für einen Zehnjährigen garantiert nichts Ungewöhnliches. Interessant war jedoch, welches Spiel der gute Junge sich genau gewünscht hat – nämlich nicht irgendeine Rennsimulation. Sondern GTA V.

Da stand also eine überaus qualifizierte Hochleistungs-Übermutter vor mir, die auf mich hinabgesehen hatte, als hätte ich noch gar nicht das Recht erworben, mich selbst überhaupt als Mutter bezeichnen zu dürfen, die ihrem kleinen süßen Engelsjungen mal eben GTA V zum zehnten Geburtstag gekauft hat. Ein bisschen verwundert fragte ich sie natürlich, ob sie wüsste, was GTA überhaupt ist.

„Na eine Rennsimulation mit Autos.“, sprach sie und sah mich an, als könnte sie nicht fassen, wie unglaublich dämlich ich bin. Für gewöhnlich bin ich zu anderen Müttern ziemlich nett, denn genauso wenig wie ich möchte, dass man mir in meine Erziehung reinpfuscht, würde ich das bei anderen auch nicht tun. Hier konnte ich jedoch nicht anders, als mich herzhaft zu amüsieren und sie darauf hinzuweisen, dass GTA bestimmt AUCH eine Rennsimulation ist. Allerdings hätte ich mich an ihrer Stelle doch schon gewundert, wieso auf der Verpackung eine dicke, fette rote 18 gedruckt ist.

Naja, sie dachte wohl, dass das was mit der Grafik zu tun gehabt hätte und wirkte dann plötzlich leicht verunsichert, denn immerhin kennt man ja die fette rote 18 von pösen Filmchen, die das Engelchen natürlich nicht sehen darf (es heimlich mit Sicherheit aber schon getan hat, darauf würde ich einen Teil meines Arsches verwetten). Dann habe ich sie erst einmal ein bisschen darüber aufgeklärt, was GTA eigentlich für ein Spiel ist. Vollkommen schockiert war sie dann natürlich der Meinung, dass man das doch als Mutter nicht wissen könne und dass ihr Sohn das mit Sicherheit auch nicht gewusst hatte.

Ich habe wirklich selten so gelacht, denn mit zehn wusste der Junge bestimmt genau, was GTA für eine Art Spiel ist und hat die Unwissenheit seiner Mutter dahingehend einfach mal schamlos ausgenutzt.

Dem Jungen mache ich da überhaupt keinen Vorwurf, genau sowas machen Kinder nämlich. Verbotenes erhaschen, indem sie ihre Eltern mal ein bisschen an der Nase herumführen. Was bei einer Frau, die Computerspiele (und auch Zeichentrickfilme) generell für Kinderkram hält oder eben für Dinge für diese traurigen Gestalten, die kein reales Leben führen und nie erwachsen geworden sind, natürlich sehr gut funktionierte. Ein wenig verwundert war meine Kollegin dann auch, als ich ihr sagte, dass ich mit Sicherheit kein routinierter oder gar professioneller Gamer bin, aber das für mich Teil meines Hobbys ist. Ich bin weder ein komischer bleicher „IT-Freak“ noch ein Kind, das hat ihr Weltbild ziemlich erschüttert.

Was mich jedoch erschüttert hat, war die Tatsache, dass sich diese Frau, die eine solche Übermutter sein möchte, bei solchen Dingen wie der Freizeitgestaltung ihres Kindes so fahrlässig verhält. Es ist nicht die Tatsache, dass sie keine Videospiele mag, aber bevor ich meinem Kind ein Spiel kaufe, gucke ich mir doch wenigstens an, was das ist. Oder nicht? Aber vielleicht liegt das Problem eher darin, dass sie solche Hobbys nicht ernst nimmt?

Dieses Phänomen trifft man tatsächlich bei vielen Menschen, auch in meinem Alter, komischerweise. Komisch finde ich es deshalb, weil wir alle mehr oder weniger mit Computern und somit ja auch irgendwie mit Videospielen groß geworden sind. Wir, die wir nach 1980 geboren sind auf jeden Fall. Himmel, selbst meine Mutter spielt ab und an Spiele am Computer – und zwar nicht nur Solitär. Und sogar mein Vater lässt sich mal für eine Runde Age of Empires oder War of Rome oder etwas in der Art begeistern. Und die beiden sind als DDR-Bürger, geboren in der ersten Hälfte der 60er, nicht rundum medial aufgewachsen.

Sicherlich hat es auch viel mit der Interessenlage zu tun und manch einer konnte mit diesen digitalen Dingen nie wirklich warm werden. Andererseits spielen die meisten zumindest gelegentlich zum Zeitvertreib auf ihren Smartphones Candy Crush oder Angry Birds.

Der Glaube, dass Videospiele dumm oder aggressiv machen, scheint sich nichtsdestotrotz hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen (meiner Beobachtung nach meist Frauen) zu halten. Die künstlerische Seite der Videospiele wird nicht einmal wahrgenommen, wenn man sie ihnen zeigt. Mehr als ein „Ja, ganz hübsch“ und ein Achselzucken ist dann halt auch nicht drin. Die angeblichen Aggressionen, die Egoshooter aufbauen sollen, werden als Tatsache angesehen, denn wer „Spaß am Töten hat, kann ja nicht normal sein“. Wenn ich erzähle, dass ich ebenfalls gelegentlich Egoshooter spiele, dann bin ich die Ausnahme von der Regel. Und es wird mir generell nicht geglaubt, wenn ich sage, dass Shooter bei mir eher Aggressionen ab- als aufbauen. Im Gegensatz zu solchen Spielen wie Candy Crush… als regelmäßiger Bahnfahrer reiße ich mich da auch ab und an zu hin, aber wenn ich dann Geld dafür ausgeben soll, um ein paar mehr Süßigkeiten zu sprengen – DAS macht mich aggressiv.

Ich für meinen Teil bin froh, dass ich mich vor solchen Dingen nicht verschließe, auch wenn mein Sohn mich vielleicht verfluchen wird, wenn er Teenager ist. Mir kann er leider nicht vormachen, dass GTA eine bloße Rennsimulation ist. Und auch wenn ich selbst keine Comics lese, weiß ich, dass sehr viele für Kinderaugen nicht bestimmt sind. Andererseits habe auch ich meine Eltern als Jugendliche in dieser Hinsicht ausgetrickst und mir Mangas gekauft, die nicht jugendfrei waren (z.B. Golden Boy – Lol! :D). Vermutlich werde ich das ein oder andere Mal ein Auge zudrücken, wenn er aus Neugierde bestimmte Dinge kauft, die er vor mir versteckt. Oder auch, wenn er versucht mich reinzulegen. Dafür ist die Jugend halt auch da, man muss auch mal was Unerlaubtes tun. Solange ich einigermaßen weiß, was er macht und vor allem, wo er ist, kann ich mit einigen Sachen schon leben. Bestimmte Games wird er trotzdem nicht zocken dürfen, ehe er mich nicht davon überzeugen kann, dass er dafür die nötige geistige Reife besitzt. Aber noch stehen solche Sachen eh nicht zur Debatte – erst einmal muss der Junge lernen, wie man sich die Schnürsenkel bindet, dann wird sich der Rest mit der Zeit zeigen.

Ach ja, was den GTA-Jungen betrifft: Seine Mutter hat ihm das Spiel noch am selben Abend weggenommen und weggeschlossen. Er war wohl nicht sonderlich begeistert und meinte, dass er das bei einem seiner Kumpels schon oft gespielt hätte und soooo schlimm sei es gar nicht. Seine Mutter hat dann natürlich die Mutter des Kumpels angerufen und viele andere und wie es schien, war dieses Spiel in mehrere Haushalte unbemerkt gewandert – und schließlich verbannt worden. Der Junge meiner Kollegin tat mir echt leid, der hat bestimmt in der Schule Klassenkeile bezogen. Schuldig fühle ich mich trotzdem nicht wirklich, denn ich finde, dass solche Spiele nichts in den Fingern von Grundschülern zu suchen haben.

Ich weiß ja zumindest, wovon ich spreche – so als Gaming Mom. ^^

Macht Schreiben einsam?

Wenn ich mit Leuten über das Schreiben spreche, die keine Berührung damit haben, wird mir immer wieder eine Frage gestellt:
„Das ist aber schon ein ziemlich einsames Hobby, oder?“
Aus meiner Sicht sind in dieser Frage zwei Fehler enthalten:

1) Schreiben ist mehr als ein Hobby.
2) Schreiben macht nicht einsam.

In Zeiten, in denen es mir psychisch schlecht geht, fliehe ich nahezu in meine Geschichten. Sie gaben mir schon immer ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit. Man könnte es möglicherweise als Realitätsflucht bezeichnen und das stimmt wahrscheinlich auch. Aber es erfüllt mich mit einer Art Glücksgefühl, wenn ich eine neue Welt erschaffe, meine Charaktere kennen lerne.

Von Einsamkeit kann hier nicht die Rede sein. Nur weil das Schreiben etwas ist, das man alleine tut. Aber wie soll man einen real existierenden Menschen neben sich ertragen, wenn im Kopf die Charaktere die ganze Aufmerksamkeit auffressen?

Ich fühle mich wohl, wenn ich in aller Stille an meinem Computer sitze, in meine Gedankenwelt verschwinde und mich ganz der Fantasie hingeben kann. Es ist ein erfüllendes Gefühl.

Schreiben macht mich glücklich. Da wird niemals eine Spur von Einsamkeit sein, es sei denn ich werde irgendwann aufhören zu schreiben. Und dann wird kein Mensch der Welt diese Art der Einsamkeit verschwinden lassen können.

Weil Schreiben eben nicht „nur ein Hobby“ ist

Wenn man erzählt, dass man schreibt, bekommt man von unterschiedlichen Leuten unterschiedliche Reaktionen. Manche Menschen belächeln einen regelrecht, weil sie es als lachhaft und pubertär empfinden, andere haben durchaus lobende und anerkennende Worte… eines haben aber alle gemeinsam: Es ist „nur ein Hobby“, geradezu niedlich. Wenn Sportler jeden Tag mehrere Stunden trainieren oder Musiker sich für ihr Instrument aufopfern, gilt das als Passion und wird von der Gesellschaft anerkannt und beachtet – selbst wenn diejenigen nicht kommerziell erfolgreich sind. Hast du als Autor kein Buch veröffentlich (wenn es vielleicht nicht einmal dein langfristiges Ziel ist), bist aber trotzdem mit Leib und Seele dabei, ist das lächerlich.

Einzig andere (Hobby-)Autoren kennen es, wenn man sich voll und ganz verliert in seiner Geschichte, mehrere Stunden am Rechner oder Notizbuch sitzt und schreibt, nicht gestört werden will. Und wenn man Nicht-Schreibern versucht zu erklären, dass man sich konzentrieren muss, wenn man schreibt und es nicht leiden kann, wenn einem alle fünf Minuten jemand in die Gedankengänge reinquatscht und dies und jenes von einem will, gilt man als unsozial. Man soll sich „doch nicht so haben“, es ist immerhin „nicht wichtig“ oder eben „nur ein Hobby“…

Aber Schreiben ist für mich eben nicht nur ein Hobby. Und ich denke, ich weiß, dass es vielen genauso geht. Schreiben kann so viel mehr sein als ein netter Zeitvertreib. Es ist Therapie, Glück und Leidenschaft. Die Figuren, die man erschafft, können Freunde werden, vielleicht sogar Familie und dabei ist es unwichtig, ob man sie mag oder nicht. Jede Geschichte ist ein Teil von einem selbst, geliebt oder nicht, jede einzelne ist wichtig.

Ich persönlich komme ohne das Schreiben nicht mehr klar. Ich fühle mich unwohl, werde unruhig, wenn ich meine Gedanken nicht irgendwo zu Papier bringen kann. Natürlich bringt das Real Life solche Durststrecken mit sich und für eine Weile kann ich diese „Entzugserscheinungen“ tolerieren, aber ich könnte niemals mehr ganz mit dem Schreiben aufhören. Auch wenn ich vermutlich niemals etwas bei einem Verlag werden veröffentlichen können, weil mir dazu vermutlich dann doch das nötige Talent fehlt.  Ganz ähnlich wie bei einem Sportler, Musiker oder Anderem ist es eine Passion, die mich antreibt, mir neue Ideen gibt und mich auch das eine oder andere Mal über mich hinaus wachsen lässt.

Am Schreiben ist nichts Niedliches. Es treibt an, bremst aus, bringt einen in höchste Höhen oder stürzt einen in tiefste Verzweiflung. All das ist Schreiben. Zumindest für mich.