Erotisch(es) Schreiben

Hand auf’s Herz, liebe Schreib-Kolleg*innen: Wer von euch, der Sex und Erotik in seinen Geschichten thematisiert (und wenn nur als Randerscheinung), ist noch nicht darüber verzweifelt? Ich zumindest stöhne jedes Mal, wenn es in meinen Geschichten zu erotischen Momenten kommt, eher aus Frust als aus Lust. Denn ehrlich, es ist wirklich schwer, Erotik auch erotisch auf’s Papier zu bringen.

Man schreibt das Kennenlernen der Figuren, das Näherkommen, anfängliches Interesse. Was dann kommt, ist eigentlich klar, denn (im besten Fall) weiß man ja, wie es sich anfühlen muss zwischen zwei Menschen, die einander zugeneigt sind. Und man will seine Leser*innen dieses erwartungsvolle Kribbeln, das ganze klischeebedingte Programm der sich aufbauenden Leidenschaft hautnah erleben lassen. 

Die schrittweise Überbrückung der Distanz hin zur Intimität. Zuerst durch lange, intensive Blicke. Mit Bedacht gewählte Worte, um Grenzen abzuklopfen und widerspiegelndes Interesse des Partners zu erhoffen. Die ersten, flüchtigen Berührungen. Der erste Kuss! Liebes- oder wenigstens Leidenschaftsgeflüster. Der erste Sex!!! Hurra!!!!! Leidenschaft! Erotik! Vielleicht Liebe! Die Leser*innen sind entzückt und schwitzen ihre Höschen feucht!

Oder gähnen gelangweilt.

Was noch die beste Reaktion wäre, wenn man die ganzen tollen Erotik-Szenen versemmelt hat, auf die man zuvor so stolz war. Im schlimmsten Fall lachen sich die Leser*innen schlapp und dass das kein Einzelfall wäre, beweist zum Beispiel der (wirklich geniale) Twitter-Account germanerotica. Ich liebe diese Seite, weil sie die skurrilsten und witzigsten Abgründe der Erotikliteratur (im weitesten Sinn, manches ist schlicht Porno in Buchstabenform) in Szene setzt. Was hab ich über die Beiträge schon gelacht. Bis ich vor kurzem mit einer neuen Geschichte anfing, in der es gleich im ersten Kapitel zum Sex zwischen den Protagonisten kommen soll.

Ja, ist wichtig für den Plot, aber scheiße … wie schreib ich das denn jetzt vernünftig?

Es ist nicht so, dass ich noch nie eine Sexszene geschrieben hätte. Und wie ich das habe! Die werde ich aber mit Sicherheit niemandem jemals zeigen. Ja, es sind pornöse Kurzgeschichten, von denen ich rede. Kurze Szenen, in denen kleine Fantasien einfach heruntergetippt wurden, ohne auf sprachlichen Stil, Spannungsbogen oder Realismus zu achten. Ich schreibe solche Dinge aus Spaß. Sie sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, ich lese sie mir meist nicht einmal mehr durch, wenn sie fertig sind.

Ich bin eigentlich ein schwafeliger Schreiber. Meine Figuren nähern sich einander langsam, die Romanze – obwohl häufig Hauptthema der Geschichte – wird in den Alltag eingeflochten, wie es im Leben halt so ist. Man konzentriert sich ja eher selten 24/7 auf ein potenzielles Loveinterest, sondern hat noch ein Leben drumherum, mit Job, Freunden, Familie, Problemen. Da kann ich das „Kribbeln“ durch Andeutungen und Wartenlassen erzeugen. Und wenn es tatsächlich zum Sex kommt, wird vorher ausgeblendet, wie in einem Film FSK 12. Nicht originell, aber häufig die bessere Lösung, bevor es zu peinlichen Floskeln kommt, die der Story die Stimmung versauen.

Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als schlechte Sexszenen in einer ansonsten wundervollen Geschichte. Plötzlich wird der Realismus umgekehrt. Fremde Lippen schmecken nach Erdbeeren, obwohl Mensch kurz zuvor noch lässig an einer Zigarette gezogen hat. Brüste spitzen sich zu zarten Knospen zu, ein Penis ist eine Lanze der Lust, eine Vagina eine Tropfsteinhöhle und alle haben multiple Orgasmen.

Es schüttelt mich, wenn mich Sexszenen komplett aus einer Story reißen. Ich kann sogar mit Fug und Recht behaupten, dass ich, trotz der Vielzahl an Sexszenen, die ich gelesen habe, nicht eine gefunden habe, die ich als rundum gelungen empfunden habe. Vielleicht versuche ich deshalb, das Schreiben solcher Szenen zu vermeiden.

In meiner aktuell geplanten Story werde ich aber leider wohl nicht drum herum kommen. Es geht nicht um Alltag, um die Liebe im Rahmen einer anderen Handlung, sondern nur um das Miteinander zweier Menschen, in deren Leben Sex eine zentrale Rolle spielt. Und ich hadere mit mir. Denn es soll erotisch sein. Nicht pornös. Und schon gar nicht peinlich.

Und ich will den Sex auch beschreiben, denn er ist eine Schlüsselszene. Klingt vielleicht seltsam, aber so ist es. Es geht nicht um die bloße Befriedigung von Lust, sondern um eine erweiterte Art des Kennenlernens, wenn man so will.

Eine bis vor kurzem fremde Hand, die plötzlich ganz liebevoll über deine Wange streicht. Ein Blick, der noch nicht vertraut ist, sich aber intim anfühlt. Lippen auf deinem Mund. Nah, zärtlich. Finger, die die Nähe zu dir suchen, schüchtern vielleicht.

Egal wie viel Erfahrung man schon im Liebesleben gesammelt hat, der erste Sex mit einer neuen Person, ist wohl immer etwas Besonderes. Man möchte, dass es unvergesslich und schön wird. Für einen selbst und für den anderen. Nervosität gehört dazu, doch wenn das Gegenüber es schafft, einem ein sicheres Gefühl zu geben, ist es eine schöne Mischung aus Angst und Erregung.

Und jetzt pack das mal ordentlich in schöne Worte, wenn es dafür eigentlich keine passenden Worte gibt. Noch habe ich keine Lösung für dieses Problem. Ich bin auch nach wie vor auf der Suche nach gut geschriebenen Sexszenen in Büchern oder Kurzgeschichten und werde kaum fündig, trotz der in letzter Zeit stark präsenten „erotischen“ Literatur wie 50 Shades of KeinMannKönnteSoVielKohleHaben. Vielleicht bin ich auch einfach zu wählerisch in solchen Dingen. Aber ich bin ja auch älter und erfahrener geworden. Das hängt bei diesen Themen dann doch irgendwo zusammen. Geschichten von Teenies, die ihre pubertären Wunschvorstellungen niederschreiben, quittiere ich mit einem Lächeln, manchmal einem Kopfschütteln.

Wirkliche Erotik ist heiß, weil sie einen gewissen Realismus nicht vermissen lässt. Man möchte sich, seine Wünsche und Erfahrungen darin wiederfinden. Nur dann springt das Kopfkino erst richtig an. Und Lippen schmecken nun einmal nicht nach Erdbeeren, wenn man nicht vorher Erdbeeren gegessen hat. Eine Vagina ist keine nach Rosen duftende, ewig nasse Höhle. Und ein Penis ist kein eisenharter, gerade emporgerichteter Speer, sondern ein empfindsames Organ. Und es gibt mehr erogene Zonen bei Männern und Frauen, als man glaubt und Sex ist mehr als rein, raus, Höhepunkt, fertig.

Wenn ich weiß, wie ich das alles in hübsche Worte verpacken kann, werde ich mich einmal glücklich und zufrieden zurück lehnen. Bis dahin werdet ihr wohl noch mein Stöhnen hören – vor Frust, nicht Lust.

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Wieder Schreiben – Teil 1: Der Plan

Das neue Jahr ist nun ein paar Tage alt. Es kam für mich mit einigen Veränderungen und Neuerungen, von denen ich hoffe, dass sie mein Leben positiv beeinflussen werden. Die wichtigste und einschneidenste Neuerung betrifft mein Arbeitsleben. Nach 3 Jahren und 4 Monaten beinahe permanenten Pendels zur Uni und schließlich zur Arbeit, startete ich zum Jahresbeginn mit einer neuen Stelle, welche sich endlich wieder in meiner Heimatstadt befindet. Und nicht nur, dass die Fahrzeiten wegfallen, sondern auch meine Arbeitszeit hat sich ein wenig verringert. So habe ich unter der Woche nun deutlich mehr Zeit. Knappe 15-18 Stunden um genau zu sein.

Natürlich habe ich dadurch nicht automatisch 15-18 Stunden Zeit zum Schreiben. Das wäre zwar schön, aber so leider nicht mit meinen anderen Verpflichtungen zu vereinbaren. Denn natürlich verwende ich einen Großteil dieser zusätzlichen Freizeit darauf, mehr Zeit mit meiner Familie – vor allem meinem Sohn – zu verbringen.

Aber auch der Aufbau einer Schreibroutine steht nun ganz oben auf meiner „To-Do-Liste 2016“. Nach 2 Jahren fast vollständiger Schreibpause wird dies nicht einfach werden, erwartet also keine Wunder von mir. Mit einer gewissen Ernsthaftigkeit gehe ich dieses Mal dennoch heran, denn ich versuche, mich einer örtlichen Schreibgruppe anzuschließen. Wie und ob das funktionieren wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Das hängt  unter anderem auch von den anderen Teilnehmern ab, welche in meiner Region wohl im Schnitt um die 30 Jahre älter sein dürften als ich. Das kann gut gehen, aber auch ganz gehörig daneben. Ich lasse mich überraschen.

Einen oberflächlichn Schreibplan werde ich die nächsten Wochen ausarbeiten, vorher steht jedoch erst einmal Ausmisten an. In den letzten Monaten hat sich mein Schreibtisch wieder so dermaßen zugemüllt, dass ich kaum noch die Arbeitsfläche, geschweigedenn eine Tastatur sehe. Ich gebe schamhaft zu: Ich bin dahingehend ein kleiner Messi. Dank Handy, Tablet und Laptop bin ich ja trotzdem am Netz. Nur mein Schreibprogramm schlummert auf meinem Festrechner – genauso wie die meisten zusätzlichen Daten (Steckbriefe, etc.) zu meinen Geschichten. 

Es wird also ein Januar der Vorbereitungen für mich, sodass ich hoffentlich in den darauffolgenden Wochen endlich wieder eine Routine entwickeln kann. 
Wünscht mir Glück! 🙂

Von Prokrastination und Kreativitätskillern

Oh Mann. Die Uni ist wirklich der Kreativitätskiller schlechthin. Zumindest bei mir. Ich bin jetzt im fünften Semester und endlich ist ein Ende in Aussicht, aber zeitgleich steigt auch der Erfolgsdruck. Das hemmt die Muse und die alltägliche Arbeit frisst eine Menge Zeit.
Ich habe mir angewöhnt, zumindest an Kreideherzen während meiner langen Zugfahrten zu schreiben (immerhin fahre ich insgesamt 5 bis 6 Stunden an mindestens 3 Tagen die Woche). Im vollen Regionalexpress zu schreiben ist allerdings anstrengend und man kann sich wenig konzentrieren. Aber ich denke mir: Ein bisschen Schreiben ist besser als gar nicht schreiben. Von daher versuche ich es weiterhin so. Auch wenn ich genau weiß, dass es nicht reicht, dass es auf Dauer unbefriedigend ist.

Zumal ich es auch nicht immer schaffe, mich zum Schreiben aufzuraffen. Wenn man halb sechs morgens aufsteht und erst um acht Uhr abends wieder zu Hause ist, dann fehlt zwischendrin neben der Uni manchmal einfach die Kraft, um noch kreativ zu sein. Außerdem habe ich für die Uni in letzter Zeit so viel nachzuarbeiten, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich das für das Schreiben aufschiebe. Mein Praktikumsbericht zum Beispiel ist erst gestern gegen 23 Uhr fertig geworden. Abgabe ist Montag und ich brauche noch eine inhaltliche Überprüfung und Bestätigung meiner Ausbildungsstätte. Ein bisschen spät, aber Prokrastination war schon immer eine meiner größten Schwächen. Leider macht die Gesamtheit der Praktikumsberichte locker 20% meiner Bachelor-Note aus. Dafür nehme ich das vermutlich ein bisschen zu sehr auf die leichte Schulter.

Aber das ist sowieso so ein Ding. Ich schaffe es nur selten wirklich wichtige Sachen auch wirklich ernst zu nehmen. Vor allem, wenn mein Kopf vollkommen mit dem Wunsch zu Schreiben gefüllt ist. Das ist durchaus ein Problem, an dem ich arbeite. Die einzige effektive Möglichkeit ist dabei, mir ein Schreibverbot aufzuerlegen. In Prüfungsphasen verschließe ich meine kreative Gehirnhälfte und versuche nur meine rationale Seite zu nutzen. Das klingt verrückt? Kann sein, bei mir klappt es ganz gut. Das Problem an der Sache ist nur, dass es mir oft hinterher schwer fällt, die Muse wieder wach zu rütteln. Je länger ich studiere und mein Hirn mit Rechtsfragen und Rechnungswesen bombardiert wird und je weniger Zeit ich zum Schreiben finde, desto mehr merke ich, wie meine rationale Seite die kreative verdrängt.

Ein gesundes Mittelmaß ist aktuell leider nicht zu finden, dafür ist mein Leben zu unstet. Im September 2015 jedoch – also nicht einmal mehr ein Jahr – ist das zum Glück vorbei und ich kann endlich selbstständig mein Leben planen und kann meine Kreativzeiten um meine festen Arbeitszeiten herum planen. Da freue ich mich schon drauf, denn es heißt auch, dass ich weniger Stress, weniger Müdigkeit und mehr wirkliche Freizeit habe.

Schreibblockade und Selbstzweifel

Schreiben gehört für mich zum Leben dazu wie das Atmen… Okay… Ganz so schlimm ist es vielleicht nicht. Es ist eher wie… Schokolade. Oder eine schöne Tasse Tee, ein warmes Bad im eiskalten Winter, ein fauler Sonntag mit einem guten Buch. Das Schreiben. Es ist nicht überlebensnotwendig. Das mit Sicherheit nicht. Aber es macht mich einfach glücklicher, zufriedener… ausgeglichener. Zumindest wenn es dann klappt.

Seit über einem Monat hänge ich jetzt schon. Sobald ich ein Blatt Papier vor mir sehe oder das leere, weiße Worddokument, ist es, als wäre mein Kopf plötzlich wie leer gefegt. Einer dieser lustigen Gestrüppbälle wie aus einem alten Western rollt dann durch meine Gedanken, getrieben von einem pfeifenden, scharfen Wind. Es geschieht einfach nichts. Und das, obwohl da Worte sind, die hinaus wollen. Bilder, die mit Buchstaben aufs Papier gemalt werden wollen. Aber sobald ich Zeit habe und denke: Jetzt! Gestrüppball… Whhheeeehhuuuuu…..

Das schlimmste daran ist, dass mir das Schreiben fehlt. Das Nichtschreibenkönnen hinterlässt in mir immer eine seltsame Unruhe. Ich kann es nicht beschreiben und es ist nicht immer da, aber ich kann es fühlen. An Abenden wie heute zum Beispiel. Auf meinen langen Zugfahrten zur Uni, in den Nächten, in denen ich wach liege und meine Ideenwälder pflanze. Ich habe Ideen. So viele, dass ich (bei meiner Schneckenschreibgeschwindigkeit) wohl mein ganzes Leben Beschäftigung hätte. Nur rauskommen wollen sie nicht. Sie nisten da in meinem Kopf und kommen nicht hinaus, weil meine überschäumenden Selbstzweifel sie aufhalten.  Noch so eines meiner aktuellen Probleme: Selbstzweifel. Sie nagen an meinen Eingeweiden und an meiner Kreativität, wenn man es so nennen will, was ich in der Regel praktiziere. Egal, was ich zu Papier bringe, ich empfinde es als viel zu unzulänglich. Nicht unbedingt schlecht im eigentlichen Sinn. Nur so unglaublich mittelmäßig und furchtbar austauschbar, dass es sich von nichts in keiner Weise abhebt.

Vielleicht. Ganz vielleicht, gibt es ja irgendwann diesen Moment, an dem ich wieder Mut fasse oder aber einmal mehr in ein: Ach scheiß doch drauf, dass du ein weniger als mittelmäßiger Möchtegernautor bist, du schreibst trotzdem weiter. Ich hoffe es irgendwie. Ein erster Schritt ist dieser Blogpost. Es ist geschriebenes Wort und mehr als ich in den vergangenen Wochen zustande gebracht habe. Also eine kleine Verbesserung. Vielleicht wird es wieder.