Verloren

Ich habe meine Sprache verloren.

Es ist nicht so, dass ich nicht mehr schreiben möchte. Ich möchte, ich will – muss sogar, wenn ich ehrlich bin. Aber je mehr ich einfach drauflos schreibe, desto mehr erkenne ich, dass ich meine Sprache verloren habe. Das Gefühl für Worte, Schwingungen von Sätzen. Irgendwo zwischen dem ganzen Chaos, das sich aktuell mein Leben nennt, hat es sich still und leise von mir entfernt. Ohne Abschiedsgruß und Lebewohl.

Was geblieben ist, sind die Selbstzweifel, wenn ich Sätze lese, die ich mir dennoch abgerungen habe. Obwohl ich schon beim Aufschreiben spürte, dass es nicht richtig ist. 

Dialoge so hölzern und undynamisch, dass sie selbst für die gescriptete Realität von RTL zu platt wären.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in letzter Zeit nicht lese. Gar nicht. Meine Bücher sind alle bereits in (viele) Kartons gepackt und warten darauf, dass unser Haus fertig gebaut und eingerichtet wird. 

Vielleicht, wenn das alles vorbei ist, kommt ja meine Sprache wieder zu mir zurück? Wenn ich den Duft der alten und neuen Seiten wieder atmen und meine Gedanken zwischen den schier unendlichen gedruckten Zeilen spazieren führen kann? Ich möchte mich wieder selbst kennen lernen. Meine Stimme wiederfinden. Mich als Autorin wiederfinden. 

Ich vermisse mich.

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